Batmen
30 04 2010
Batman
Vergangenen Sonntag haben wir einen Ausflug zu den berühmten Ndawara Tea-Plantagen gemacht. Nach einer langen Nacht im „Samba Nite Klob“ (bei einer 6 Tage Woche hat man nicht viel Gelegenheit zum Ausgehen…) ging es wie üblich früh um 6°° Uhr los (und 6°° Uhr bedeutet tatsächlich 6°° Uhr‼!). Also, schnell einen Kaffee getrunken, ein Bananen-Erdnussbutter-Weißbrotsandwich auf die Hand und dann zwei Stunden Autofahren – hinten zu viert, mit Ma (Schwester aus dem Krankenhaus), die von unserem geplanten Ausflug gehört hatte und gerne ihren Sohn in Ndawara besuchen wollte. Trotz gemütlicher Enge an Schlaf nicht zu denken – zu holperig der Weg …
In Ndawara angekommen galt es zunächst (wie immer) all die obersten Dorfbewohner zu begrüßen und mehr oder weniger um Erlaubnis zu fragen, ob ihnen ein Besuch ihres Landes genehm wäre. Alle waren sehr freundlich und hocherfreut uns zu sehen (vor allem die Kinder – „Snap me‼!“ – ich hab´ tausende Kinderfotos …)
Aber der Aufwand hat sich gelohnt: Die Landschaft ist wunderbar, bergig und dann die ganzen Teefelder, Wahnsinn! Von weitem sehen die Felder ein wenig wie eine LEGO-Landschaft aus. Unser Ziel war ein See, der irgendwie kein See ist, sondern nur Gras, aber irgendwie doch ein Kratersee (häää???). Also, strammer Aufstieg durch die Tee-Plantagen – sehr angenehm, endlich mal wieder etwas Sport, wenn auch in der prallen Mittagssonne …
Und da war er dann nun, der Kratergrassee ohne Wasser. Wir haben Theorien aufgestellt, das muss wohl so sein: Der Krater füllt sich erst mit Wasser und wird zu einem See, wenn die Regenzeit begonnen hat. Sonst ist da halt nur ein Krater mit gaaaaanz viiieeel Gras und Bäumen. Eigentlich nicht zu schwer zu verstehen, aber unsere einheimischen Freunde murmelten die ganze Zeit etwas von Gras auf See und, dass man kann nicht drüber gehen könnte. Das Nachfragen haben wir irgendwann aufgegeben – man bekommt nur Antworten, die auf mysteriösen Mythen basieren.
Auf dem Höhepunkt des Kraters angelangt sind wir dann oben drauf entlang gewandert, um den Krater einmal zu umkreisen – und der ist echt groß! Das nächste Ziel war nämlich eine Höhle, die sich am Steilhang der Innenseite des Kraters befindet. Und wenn ich „steil“ schreibe, dann meine ich richtig steil! Aber mit meiner jahrelangen Indiana-Jones-Klettererfahrung: „Null Problemo!“.
Auf dem Weg zur Höhle wurde uns des Öfteren ganz geheimnisvoll angekündigt, dass wir auf dem Rückweg dann auch kleine Tiere mitnehmen würden – nicht weiter nachgefragt. Ja, diesmal wirklich eine richtige große Höhle, in die man weit hinein hätte gehen können. Unsere kamerunischen Freunde bewaffneten sich plötzlich alle samt mit großen Stöcken. Einer von ihnen ging dann tiefer in die Höhle hinein und begann mit seinem Stock gegen die Wand zu schlagen. Und dann ging es los (worauf wir wirklich nicht gefasst waren): Mindestens eine Minute langen flogen hunderte bis tausende Fledermäuse auf dem Weg aus der Höhle wie wild über unsere Köpfe hinweg. Es blieb nichts anderes übrig, als sich auf den Boden zu kauern und so gut wie möglich mit den Armen zu schützen, um nicht ein paar Fledermäuse im Gesicht zu haben. Was aber taten unsere Freunde? Sie schlugen wild mit den Stöcken um sich und erwischten so ab und zu die eine oder andere Fledermaus. Was soll ich sagen? Angst, Faszination, Abscheu, Missbilligung – alles auf einmal. Ja, und als auch nach so ungefähr zwei Minuten die letzte Fledermaus ihren Weg nach draussen gefunden hatte, machte sich in der Höhle ein strenger Geruch nach Fledermaus „poo“ (wie die Engländer sagen) breit. Also ein Geruch wie Staub vermischt mit Taubendreck.
Die Fledermäuse haben sie dann eingepackt, um sie zu Hause schön gegrillt zu essen … brrrr …
O.k., dann der Abstieg – sehr lang – nichts zu trinken mehr, brütende Hitze. Nach so 5 Stunden waren wir dann wieder an unserem Auto angekommen. Da Ma bei ihrem Sohn geblieben war, wurden wir herzlichst empfangen mit Fisch und Reis und – juchhu: WASSER! Und dann haben wir dank unserer vorbildlichen Vorstellung zu Beginn unserer Wanderung noch ganz viel Tee vom Dorffabrik-Chef geschenkt bekommen. Und weil wir nach ungefähr 2 Stunden Schlaf, 5 Stunden Wanderung und 2 Minuten Adrenalin pur noch nicht erschöpft genug waren, haben wir noch schnell die örtliche Straußenfarm begutachtet und am sonntäglichen Dorfmeeting teilgenommen. Wir schienen ganz besondere Ehrengäste zu sein, wenn wir auch unerwartet kamen – die Gastfreundschaft ist echt unwahrscheinlich hier!
Also, was soll ich sagen – ich hatte mal wieder Riesenspaß!
Ach ja, das Beste zum Schluss: am Montag hatte ich einen Jungen bei mir auf Station, der eventuell Tollwut hat – also habe ich mich mal im berühmten Nelson-Kinderheilkundebuch über selbige Krankheit genauer informiert: Sobald Symptome auftreten, ist es zu spät – dann verläuft die Krankheit immer tödlich. Und in den 2 Seiten dieses Buches sind eigentlich keine Tiere im Speziellen erwähnt – außer, dass beschrieben ist, dass das Einatmen von Fledermaus-Aerosolen in Höhlen auch zur Übertragung der Krankheit führen kann … Herr Dr. Hundsdörfer: Ich danke vielmals für die Impfung, wirklich. So habe ich mir hier am Montag nur noch meine „Booster“-Injektion abgeholt. Nicky ist leider nicht geimpft – er bekommt 5 Injektionen…
Dem Jungen auf Station geht es übrigens wieder besser – hoffentlich doch was anderes …
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