Sitten und Braeuche…

10 04 2010

JewjewGestern nach der Arbeit war ich bei Dr. Njume eingeladen. Er ist eigentlich fuer die Burkitt- und die Kinderstation zustaendig, aber wie ich glaube ich schon berichtet hatte in der Elternzeit. Ja, und gestern war die ganze Belegschaft der Kinderstation bei ihm eingeladen zum “Babyvisit”. Da dachte ich natuerlich, “ach lustig, schoen Baby-Schauen”. Weit gefehlt!Die Zeremonie (so muss man das ganze schon nennen) war schon im Gange, als wir eintrafen. Das bedeutet die beruehmten Polstermoebel des Wohnzimmers waren bis auf den letzten Zentimeter belegt mit der Schwesternschaft. Und in einer Ecke stand die risen rosa Wiege mit “Hello Kitty”-Abzeichen und ordentlichem Moskitonetzt. Da drin wage ein Baby zu erkennen, eingehuellt in ganz viele rosa Hemdchen und rosa Jaeckchen und rosa Hoeschen unter rosa Decken…es war ein Junge!
Die Reden hatten schon begonnen. Mir schien das alles recht improvisiert, aber zu meiner linken sass ein Pflegeschueler, der sehr nervoes auf einem Schreibblock durchstrich und neu einfuegte – er war zustaendig fuer das Programm. Dieses musste aber sehr haeufig geaendert warden, so dass ihm die Oberschwester immer in ruhigen Momenten zufluesterte, was als naechstes kommen wurde. Also Reden: die aelteste und die juengste Mutter gaben Ratschlaege – laaange Ratschlaege und auch wichtige Dinge, wie dass die Mutter sich ganz ordentlich um das Baby und den Haushalt kuemmern soll, damit der Dr. auch in Ruhe arbeiten kann. Dann durfte und wollte aber auch ein Mann mal was sagen. Und dann natuerlich Singen und sogar ein wenig Tanzen – man dankte Jesus fuer dieses Baby…
Letzendlich sollte dann das Baby praesentiert warden (das waren die Worte…), aber dieses war inzwischen aufgewacht und hatte Hunger – also Programmaenderung – Singen – dann Babypraesentation mit viel Beten und natuerlich Singen! Dann essen – das war echt lecker und reichlich. Erstaunlicher Weise wurde extreme schnell gegessen und sobald der Teller leer war, ging man dan auch mit einem kurzen Dank an die Gastgeber.

Und das Festival war noch aufregender! So ganz habe ich nicht verstanden, was da los war, aber mit dem Gefuehl bin ich hier den ganzen Tag konfrontiert (am schwersten liegt mir dieses Gefuehl auf der Station im Magen, aber das ist ein anderes Thema und soll ein ander mal erzaehlt warden…).
Also, das ganze Festival geht eine Woche und findet im Palast des Fons (Haeuptling des Dorfs) statt. Da waren Menschenmassen – unglaublich. Dann sind da im Hof die Jewjews rumgelaufen. Wenn ich das richtig verstanden habe, laufen die sonst immer mit ihren Peitschen durch die Strassen, wenn jemand verstorben ist und wenn man sie anschaut und nicht ganz schnell wegrennt dann verpruegeln sie einen. Und das haben sie auch gestern gemacht: immer wenn ein Jewjew in die Naehe der Menschenmasse kamm gin das geschreie los, alle haben sich geduckt und weggeschaut. Dann waren da noch halb nackte Maenner – ein wenig bemalt, die versucht haben die Jewjews zu fangen – mit Seilen. Und irgendjemand hat ab und zu mal geschossen – ich hoffe es waren nur Platzpatronen, aber so ganz sicher bin ih mir da nicht.