Dies und das

5 06 2010

Ja, ja, die Zeit vergeht tatsächlich wie im Fluge…nun haben wir doch wirklich schon Juni und letzten Samstag waren es 8 Wochen, also schon 2 Monate, die ich hier bin! Ich kann es fast gar nicht glauben!

Doch kommen wir zu den wichtigen Dingen: Was habe ich in den letzten Wochen erlebt?!

Aufregend, anstrengend, zum Haare raufen und ich weiß nicht was noch alles war der „screener course“ letzte Woche. Ich hatte 17 Stunden um das kleine Fach „Pädiatrie“ zu unterrichten. Wie bereits erwähnt, sind die „Screener“ Schwestern und Pfleger, die durch eine 3 monatige Zusatzausbildung in der Lage sind/sein sollen, eher ärztliche Tätigkeiten zu übernehmen. Sie sitzen also in der Notaufnahme und entscheiden, wer krank ist, wer aufgenommen werden soll, wer welche Therapie bekommt und wer dann doch noch von einem Arzt gesehen werden sollte.

Naja, und neu in dieser 3 monatigen Ausbildung: 17 Stunden Pädiatrie‼!

Ich hatte mich wirklich gut vorbereitet mit vielen Präsentationen, die die aller wichtigsten Themen der Pädiatrie abdecken sollten und vor allem praktisch orientiert – da das ja für die „Screener“ letztendlich am wichtigsten ist. Sie müssen entscheiden wer wirklich krank ist und wer nicht!

Es waren 12 junge Menschen im Kurs und ich habe selten so wenig Enthusiasmus gesehen…ein Albtraum! Ich habe versucht gaaaanz nett zu sein, ich habe versucht lustig zu sein, ich habe immer wieder auf sie eingeredet, dass sie doch bitte fragen sollen, dass ich ja nicht genau weiß auf welchem Level sie sind, dass sie mir sagen sollen, wenn ich was anders machen soll, wenn sie mich nicht verstehen und, und, und…

Aber nischt – es kam kaum was zurück. Ich war mir anfangs nicht ganz sicher, ob das die afrikanische Höflichkeit ist, Respekt gegenüber dem weißen Doktor oder einfach Faulheit und Desinteresse! Heute bin ich schlauer – sie waren einfach nur höflich!

Auf alle Fälle habe ich sie nach dem ersten „Katastrophen“-Tag (so hatte ich es zumindest empfunden – die Studenten anscheinend nicht, wie sie hinter her sagten – aber das weiß man ja auch nicht so ganz genau – vielleicht waren sie nur höflich…) dann mit auf die Station genommen: 2er Grüppchen – Anamnese, Untersuchung und dann Patienten-Vorstellung! Und siehe da –das hatte ihnen Spaß gemacht – sie waren auf einmal lockerer, haben Fragen gestellt und mitgemacht! Naja, von da an war es besser – ab und zu kam mal ein Witz an, es wurde gekichert und es wurde mir sogar gesagt, wenn man mich nicht versteht…

Zumindest hoffe ich, dass sie etwas gelernt haben. Ich habe heute die Klausur, die ich für sie machen musste korrigiert – leider sind doch 3 durchgefallen, obwohl die Fragen nicht so schwer waren… Die Restlichen haben tatsächlich ganz ordentliche Antworten gegeben!

Letzte Woche war übrigens Professor Hesseling hier (für alle, die es nicht wissen: das ist der südafrikanische Professor, der das Burkitt Lyphom Projekt hier aufgebaut hat und dem ich meinen Aufenthalt hier zu verdanken habe). Es war wunderbar – er ist wirklich ein toller Mensch: intelligent, lustig, nett, fürsorglich,…

Vor 2 Wochen war ich in Bamenda – mal wieder ein bisschen „Großstadtfeeling“. Ich bin zusammen mit Luisa und Jule gefahren (zwei Mädels aus Deutschland, die hier ihr freiwilliges soziales Jahr absolvieren – sie haben nun leider schon 10 Monate hinter sich und reisen Ende Juli wieder zurück). Wir waren nur eine Nacht in Bamenda  – aber das hatte mir dann auch schon wieder gereicht. Obwohl ich ein Großstadtkind bin bleibt mir der Nutzen von einer Stadt wie Bamenda doch verborgen. Sie ist einfach nur laut und dreckig. Man kann nicht wirklich mehr kaufen oder erleben, als in Kumbo. Ach doch, eines – es gibt eine ATM – man kann Geld abheben‼! Dafür sind die Strapazen der Fahrt recht groß. Nachdem kein Bus mehr am Nachmittag zurückfuhr, hatte ich beschlossen mit einem Auto, so eine Art Sammeltaxi, zurückzufahren. Fehler! Wir waren 8 Erwachsene und ein Kind in einem kleinen 2-Türer-Toyota! 3,5 Stunden! Wie das geht? Ganz einfach: 4 vorne („2nd driver“) und 4 hinten plus Kind auf´m Schoß! Ach ja, bitte nicht vergessen: die Straßen zwischen Kumbo und Bamenda gehören zu den Schlechteren – nur Lehm-Matsch, nicht geteert‼!

Nun gut, ihr seht, trotz eingekehrtem Alltag und viel Arbeit erlebe ich hier jeden Tag Dinge, die mich erstaunen, erheitern oder nachdenklich machen – es sind so viele Kleinigkeiten, die ich gar nicht alle aufzählen kann, die meinen Aufenthalt hier so aufregend und schön machen!



Der Alltag…

10 05 2010
DSC02482

Nicky und Jamie im BB dress

…kehrt ein!

Lange nicht von mir gehört? Das stimmt! Aber mir geht es nach wie vor so richtig gut. Nach 5 Wochen hier fühle ich mich schon fast zu Hause und es stellt sich ein gewisser Alltag ein. Daher gab es in den letzten 2 Wochen keine großartigen Ausflüge, über die ich hätte berichten können. Dennoch waren Nicky, Jamie und ich sehr viel unterwegs, so dass auch nur wenig Zeit zum Schreiben blieb…früh aufstehen…arbeiten…Markt oder Spaziergang in die Stadt oder so…Abendessen…BB 91…schlafen…und wieder arbeiten…!

Das „BB 91“ ist unser aller Stammkneipe – mit der Terrasse sehr schön am Hang gelegen, so dass einem ein wunderbarer Blick auf das Treiben am „squares“, DEM Treffpunkt, geboten wird. Außerdem kennen wir inzwischen den Besitzer und die ganze Belegschaft bestens (wie das halt mit einer Stammkneipe so ist), so dass wir uns dort sehr heimelig fühlen. Ein weiter Grund fast jeden Abend dort zu verbringen: man muss sich gar nicht verabreden und trifft trotzdem immer ein bekanntes Gesicht.

Letzten Samstag am 1. Mai wurde auch hier ganz groß „labour day“ gefeiert. Die Frauen haben sich alle sehr schicke Frisuren machen und traditionelle Kleider nähen lassen. Am Morgen gab es dann auf einem Feld etwas außerhalb von Kumbo eine große Parade. Die haben wir leider wegen der Arbeit (ja, wir waren auch am 1. Mai fleißig) verpasst. Dafür waren wir am Mittag groß bei Che Paius eigeladen. Er hat eine Medaille bekommen, weil er seit 10 Jahren so zuverlässig im Shisong Hospital arbeitet. Es war fast das ganze Dorf eingeladen (naja, nicht ganz, aber es war schon sehr voll…) und dann gab es große Reden (das lieben die Kameruner ja – und es muss immer ein Programm geben und einen „MC“, der moderiert…wie bei der „Baby-Präsentation“…) und vieeel Essen und Wein und Tanz…

Heute sind Nicky und Jamie leider abgereist. Gestern haben sie eine Abschiedsparty gegeben. Die zwei waren zwar nur 5 Wochen hier, aber dafür haben sie echt eine Menge Freunde kennengelernt – es waren so an die 50 Leute da. Diesmal durfte ich eine Rede halten – das war sehr witzig!

Tja, ich werde die zwei vermissen, die haben mir den Einstieg hier echt sehr leicht gemacht. Durch sie habe ich aber Gott sei Dank so viele Leute kennengelernt, dass mir viele weitere Freunde hier bleiben. Naja, jetzt habe ich endlich mehr Zeit zum arbeitenJ!

In zwei Wochen muss ich 4 mal 2 Stunden die „screener“ (so was zwischen Pflegepersonal und Arzt – die haben eine Pflegeausbildung und bekommen dann einen dreimonatigen Kurs – eben jenen, den ich vorbereite – und dann arbeiten sie in der Aufnahme und entscheiden, wer stationär bleibt und wer, wie ambulant behandelt werden kann) in Pädiatrie ausbilden. Da muss ich jetzt mal ranklotzen und ein paar Präsentationen vorbereiten. Das ist nämlich echt wichtig – ohne die „screener“ würde der ganze Laden hier zusammenbrechen – wir sind ja nur 6 Ärzte…



Batmen

30 04 2010
Batman

Batman

Vergangenen Sonntag haben wir einen Ausflug zu den berühmten Ndawara Tea-Plantagen gemacht. Nach einer langen Nacht im „Samba Nite Klob“ (bei einer 6 Tage Woche hat man nicht viel Gelegenheit zum Ausgehen…) ging es wie üblich früh um 6°° Uhr los (und 6°° Uhr bedeutet tatsächlich 6°° Uhr‼!). Also, schnell einen Kaffee getrunken, ein Bananen-Erdnussbutter-Weißbrotsandwich auf die Hand und dann zwei Stunden Autofahren – hinten zu viert,  mit Ma (Schwester aus dem Krankenhaus), die von unserem geplanten Ausflug gehört hatte und gerne ihren Sohn in Ndawara besuchen wollte. Trotz gemütlicher Enge an Schlaf nicht zu denken – zu holperig der Weg …

In Ndawara angekommen galt es zunächst (wie immer) all die obersten Dorfbewohner zu begrüßen und mehr oder weniger um Erlaubnis zu fragen, ob ihnen ein Besuch ihres Landes genehm wäre. Alle waren sehr freundlich und hocherfreut uns zu sehen (vor allem die Kinder – „Snap me‼!“ – ich hab´ tausende Kinderfotos …)

Aber der Aufwand hat sich gelohnt: Die Landschaft ist wunderbar, bergig und dann die ganzen Teefelder, Wahnsinn! Von weitem sehen die Felder ein wenig wie eine LEGO-Landschaft aus. Unser Ziel war ein See, der irgendwie kein See ist, sondern nur Gras, aber irgendwie doch ein Kratersee (häää???). Also, strammer Aufstieg durch die Tee-Plantagen – sehr angenehm, endlich mal wieder etwas Sport, wenn auch in der prallen Mittagssonne …
Und da war er dann nun, der Kratergrassee ohne Wasser. Wir haben Theorien aufgestellt, das muss wohl so sein: Der Krater füllt sich erst mit Wasser und wird zu einem See, wenn die Regenzeit begonnen hat. Sonst ist da halt nur ein Krater mit gaaaaanz viiieeel Gras und Bäumen. Eigentlich nicht zu schwer zu verstehen, aber unsere einheimischen Freunde murmelten die ganze Zeit etwas von Gras auf See und, dass man kann nicht drüber gehen könnte. Das Nachfragen haben wir irgendwann aufgegeben – man bekommt nur Antworten, die auf mysteriösen Mythen basieren.
Auf dem Höhepunkt des Kraters angelangt sind wir dann oben drauf entlang gewandert, um den Krater einmal zu umkreisen – und der ist echt groß! Das nächste Ziel war nämlich eine Höhle, die sich am Steilhang der Innenseite des Kraters befindet. Und wenn ich „steil“ schreibe, dann meine ich richtig steil! Aber mit meiner jahrelangen Indiana-Jones-Klettererfahrung: „Null Problemo!“.

Auf dem Weg zur Höhle wurde uns des Öfteren ganz geheimnisvoll angekündigt, dass wir auf dem Rückweg dann auch kleine Tiere mitnehmen würden – nicht weiter nachgefragt. Ja, diesmal wirklich eine richtige große Höhle, in die man weit hinein hätte gehen können. Unsere kamerunischen Freunde bewaffneten sich plötzlich alle samt mit großen Stöcken. Einer von ihnen ging dann tiefer in die Höhle hinein und begann mit seinem Stock gegen die Wand zu schlagen. Und dann ging es los (worauf wir wirklich nicht gefasst waren): Mindestens eine Minute langen flogen hunderte bis tausende Fledermäuse auf dem Weg aus der Höhle wie wild über unsere Köpfe hinweg. Es blieb nichts anderes übrig, als sich auf den Boden zu kauern und so gut wie möglich mit den Armen zu schützen, um nicht ein paar Fledermäuse im Gesicht zu haben. Was aber taten unsere Freunde? Sie schlugen wild mit den Stöcken um sich und erwischten so ab und zu die eine oder andere Fledermaus. Was soll ich sagen? Angst, Faszination, Abscheu, Missbilligung – alles auf einmal. Ja, und als auch nach so ungefähr zwei Minuten die letzte Fledermaus ihren Weg nach draussen gefunden hatte, machte sich in der Höhle ein strenger Geruch nach Fledermaus „poo“ (wie die Engländer sagen) breit. Also ein Geruch wie Staub vermischt mit Taubendreck.
Die Fledermäuse haben sie dann eingepackt, um sie zu Hause schön gegrillt zu essen … brrrr …

O.k., dann der Abstieg – sehr lang – nichts zu trinken mehr, brütende Hitze. Nach so 5 Stunden waren wir dann wieder an unserem Auto angekommen. Da Ma bei ihrem Sohn geblieben war, wurden wir herzlichst empfangen mit Fisch und Reis und – juchhu: WASSER! Und dann haben wir dank unserer vorbildlichen Vorstellung zu Beginn unserer Wanderung noch ganz viel Tee vom Dorffabrik-Chef geschenkt bekommen. Und weil wir nach ungefähr 2 Stunden Schlaf, 5 Stunden Wanderung und 2 Minuten Adrenalin pur noch nicht erschöpft genug waren, haben wir noch schnell die örtliche Straußenfarm begutachtet und am sonntäglichen Dorfmeeting teilgenommen. Wir schienen ganz besondere Ehrengäste zu sein, wenn wir auch unerwartet kamen – die Gastfreundschaft ist echt unwahrscheinlich hier!

Also, was soll ich sagen – ich hatte mal wieder Riesenspaß!

Ach ja, das Beste zum Schluss: am Montag hatte ich einen Jungen bei mir auf Station, der eventuell Tollwut hat – also habe ich mich mal im berühmten Nelson-Kinderheilkundebuch über selbige Krankheit genauer informiert: Sobald Symptome auftreten, ist es zu spät – dann verläuft die Krankheit immer tödlich. Und in den 2 Seiten dieses Buches sind eigentlich keine Tiere im Speziellen erwähnt – außer, dass beschrieben ist, dass das Einatmen von Fledermaus-Aerosolen in Höhlen auch zur Übertragung der Krankheit führen kann … Herr Dr. Hundsdörfer: Ich danke vielmals für die Impfung, wirklich. So habe ich mir hier am Montag nur noch meine „Booster“-Injektion abgeholt. Nicky ist leider nicht geimpft – er bekommt 5 Injektionen…

Dem Jungen auf Station geht es übrigens wieder besser – hoffentlich doch was anderes …



The white stuff …

21 04 2010

Diesen Sonntag habe ich den berühmten Palm Wine ausgiebig kennen gelernt.

Wie immer ging es sehr früh los (überhaupt beginnen die Tage hier extrem zeitig – der Kameruner ist schon mit den ersten Sonnenstrahlen, so um 6 Uhr, auf den Beinen. Dafür enden die Aktivitäten aber auch meist mit dem Sonnenuntergang um 18:30 Uhr … ich finde das ehrlich gesagt ganz angenehm, obwohl ich eigentlich ein bekennender Langschläfer bin. Aber wenn es um 5:00 Uhr und dann halbstündlich mit „Allaaaahhhuuuhhh Akbaaaaar“ losgeht, ist es ohnehin vorbei mit dem Schlafen … ja, die Moschee ist nicht so weit vom Krankenhaus entfernt). Nicky, Jamie, ich und unsere drei kamerunischen Freunde Emmanuel, Jude und Peter (seit diesem Sonntag nur noch „Uncle P.“), die auch unseren letzten Sonntag am Lake Oku organisiert hatten, machten uns zunächst auf den Weg zur nahe gelegenen palme wine Plantage, wo uns „Pa“ empfing, um uns in die Kunst des Palm Wine-tapping, also der Gewinnung des „white stuff“, einzuführen.

„Pa“ hat keine Schneidezähne mehr und ist schon etwas älter, aber von seinem Handwerk versteht er was!!! Nachdem er die „reifen“ Palmen an den Tagen vorher schon identifiziert hatte, wurden diese ganz weit unten am Stamm angeschnitten, dann wurde am Abend zuvor sehr kunstvoll ein Kanister mit dem offenen Hals in der Kerbe positioniert und am nächsten Morgen war der Kanister halt voll – alles in allem also recht einfach, wa? Nein, natürlich nicht, aber es machte den Anschein … obwohl die Positionierung und die Identifizierung der reifen Stämme mich schon ein wenig überforderte.
Naja, auf alle Fälle muss dann dem Wein nichts mehr hinzugefügt werden – toll, oder? Und am Morgen, kurz nach der Gewinnung ist der Wein schön süß und enthält (wohl) noch keinen Alkohol. Mit der Zeit (also im Laufe des Tages) gärt er unter dem Einfluss der Sonne dann so vor sich hin und schwups, dann ist da Alkohol drin. Ich hab´s nicht ganz verstanden, aber so ist es scheinbar.

Danach gab´s Frühstück bei Uncle P.: Seine Frau hatte FuFu und YamaYama für uns bereitet – liegt ganz schön schwer im Magen so ein FuFu-Frühstück …
Und dann ging es auch schon weiter Richtung Kingomen. Unterwegs noch kurz in einem kleinen Dorf 10 Liter (‼!) Palm Wine gekauft. In Kingomen wohnt nämlich Uncle P.s Familie und da kann man ja nicht mit leeren Händen erscheinen! Jeder in Kingomen kennt natürlich Uncle P. und so haben wir auch seinen Namen erfahren.

Seine Eltern und sein Bruder haben uns sehr herzlich willkommen geheißen und sich so sehr gefreut, dass wir sie besuchen – die Gastfreundschaft ist echt unglaublich! Ja, und da wir die Kanister, in denen der Wein war auf der Rückfahrt ja wieder abgeben mussten, haben wir (so maximal 10 Leute) mal schnell die 10 Liter Wein ausgetrunken – und da war aber irgendwie schon mehr Alkohol drin … Zum Glück durfte ich mich als Frau etwas zieren und zurückhalten, aber die Männer scheinen immer etwas mehr von dem Zeug zu trinken, den ganzen Tag, wie Wasser! Auf dem Rückweg haben wir natürlich noch ein paar mal angehalten, um den verschiedensten Leuten „Hallo“ zu sagen und zu diesem Zeitpunkt hatten Einige glaube ich schon zu viel davon gehabt…

Vorher hat uns Uncle P.s Bruder aber noch zu einer Höhle auf dem Land der Familie geführt. Ihr Land ist wirklich riesig – sie wussten gar nicht genau, wie viel Hektar – und da bauen sie Kürbisse, Tomaten, natürlich Mais und nicht zu vergessen Palm Wine-Palmen an. Und das meiste einfach, um sich selbst zu versorgen!
Ja, die Höhle zumindest war echt toll – hinter einem Wasserfall versteckt. Naja, nicht ganz versteckt, da ja die Regenzeit noch nicht begonnen hat und der Wasserfall daher etwas schwach auf der Brust war, aber trotzdem echt wunderschön – mit Regenbogen und so!

Dann mussten wir aber echt zurück Richtung Kumbo, da „Pa“s Frau ja mit FuFu und YamaYama auf uns wartete, und echt böse geworden wäre, wenn wir die Einladung nicht angenommen hätten. Eigentlich ist Kingomen nicht weit von Kumbo entfernt, aber die Straßenverhältnisse erlauben keine Geschwindigkeit über 20-30 km/h.
Vorher durften wir aber noch eine sehr alte Dame aus Uncle P.s Familie kennenlernen – keiner weiß so genau, wie alt sie wirklich ist – aber sie war schon seeehr alt. Sie kam uns, den einheimischen Tabak in einem Bananenblatt rauchend, entgegen – ein Bild für die Götter. Sie raucht das Zeug wohl unentwegt und so lange wie alle anderen um sie herum denken können!

Alles in allem echt ein gelungener Tag – super für den Start in eine neue 6-Tage-Woche …



Die Arbeit

16 04 2010

Wir wollen ja nicht vergessen, warum ich eigentlich hier bin – es ist ja schliesslich die Medizin, die Arbeit mit den Kindern, die mich veranlasst hat, hier her zu kommen. Und nach dem nun bereits eine Woche vergangen ist, in der ich mehr und mehr alleine die 20-25 Kinder visitiere, habe ich nun – glaube ich – einen ersten Eindruck bekommen.

Eins steht fest: die Medizin hier ist anders – ganz anders. Aber was habe ich erwartet? Das Problem ist, dass natuerlich die Medizin an sich nicht anders ist, also d.h. die Kinder haben die gleichen Organe, auch hier gibt es Antibiotika und Infusionen und einen OP usw.. Auch wenn alles natuerlich einen etwas geringeren Standard hat und die Auswahl an Medikamenten eingeschraenkt ist, gibt es doch viele Moeglichkeiten. Von der Ausstattung her bin ich also durchaus positive ueberrascht. Aber all’ die Mittel werden anders eingesetzt. Ich bin leider in der einen Woche noch nicht ganz dahinter gekommen, ob das Unwissenheit oder doch langjaehrige Erfahrung in Tropenmedizin ist. Letzteres will ich nicht ganz ausschliessen, halte ich aber doch oft fuer eher unwahrscheinlich, da meine Konsultationen von Dr. Julie (erfahrene amerikanische Aerztin, die seit 18 Jahren hier arbeitet) mir doch haeufig recht geben.

Die meisten Kinder werden hier gegen Malaria behandelt, trotz meistens negativem Ausstrich, also ohne Nachweis. Und oft haben sie tatsaechlich noch nicht mal richtige Malaria-Symptome. Dazu kommt, dass Kumbo gar nicht so ganz doll Malaria-Gebiet ist – es liegt naemlich ziemlich hoch. Ich hatte noch nicht einen einzigen Mueckenstich – und das will was heissen (meine Familie weiss, wovon ich rede…). Na gut, aber das ist ja nun tatsaechlich Tropenmedizin, die Ausstriche sind nicht so ganz sicher und ich habe auf dem Gebiet nun wirklich kaum Erfahrung.

Aber dann wird auch sehr, sehr gerne jedes Kind mit 2 Antibiotika behandelt – und zwar schon sofort bei Aufnahme, egal wie der klinische Zustand ist und auch Fieber scheint nicht der wichtigste Indikator zu sein. Jetzt ein Ausflug in die medizinisch (mehr oder weniger Fachwelt) – also nicht verzagen, wenn der naechste Absatz nicht verstanden wird – einfach ueberspringen…

Ein 4 Monate alter Saeugling mit einem Erysipel nach Insektenstich ohne allgemeine Infektionszeichen, kein Fieber, trinkt normal. Ich wollte z.B. Cloxacillin ansetzen. Das machte dem hiesigen Arzt aber Bauchschmerzen. So gab es erst mal ein Abdomensono, Ampicillin und Gentamicin. Nach einer Gabe wurde Ampicillin abgesetzt und dafuer Ceftriaxone dazu genommen. Das kleine Maedel wird also jetzt mit Genta und Rocephin bei Weichteilinfektion ohne Allgemeinsymptome behandelt. Stimmt Ihr mir zu, dass das too much ist?
Oder dann wird total gerne Paracetamol fuer 3 Tage FEST alle 8 Stunden verschrieben – na gut, das macht ja so mancher Arzt bei uns auch mal ganz gerne :)…
Oder wenn ich dann auf die Idee komme PCM bei Bedarf alle 6 Stunden zu verschreiben, kommen die Schwestern mit einem Augenzwinkern und stolz wie Bolle einen Fehler bei mir entdeckt zu haben zu mir, weil man ja PCM maximal 3 mal am Tag geben darf.

Ja, was es noch ein bisschen schwierig fuer mich macht sind die super komischen Abkuerzungen:
OiD -> einmal taeglich, BiD -> zwei mal taeglich, TiD -> richtig, drei mal taeglich, q 6 hrs -> alle 6 Stunden, oder hier, das ist gut: kvo -> keep vein open, wenn ein Tropf nur auf Erhalt laufen soll.

Naja, aber ich gewoehne mich dran und werde versuchen langsam, langsam (denn schnell ist hier mal gleich ueberhaupt nicht) die Dinge zu aendern, die ich wirklich wichtig finde. Und natuerlich werde ich belassen, was eh egal ist!

Es sind hier leider auch schon mehrere Kinder verstorben und auch das ist gewoehnungsbeduerftig. Also ich meine, wie das ablauft. Mein Reanimationsvorhaben wurde rasch unterbrochen durch den Doktor, weil das wohl keinen Sinn macht. Die Schwester hatte mich tatsaechlich etwas spaet gerufen und dazu sagte sie nur ganz vorsichtig, ob ich eventuell mal kommen koennte – ich weiss nicht, wie lange dieses Kind schon nicht mehr geatmet hat. Aber Dringlichkeit scheint hier kein begriff zu sein! Bis Adrenalin kam sind ungefaehr 10 Minuten vergangen und mit Herzdruckmassage schienen weder die Schwester noch der Arzt so recht etwas anfangen zu koennen. Auch wenn ich extrem weit von einem Intensivmediziner entfernt bin, kann eine kleine Fortbildung in Sachen Reanimation fuer das Personal denke ich sehr hilfreich sein.
Naja, und dann sammeln sich alle Angehoerigen der anderen Patienten und auch die Patienten, wenn sie irgendwie koennen und schauen – wie Fernsehen, aber ohne Scheu.

Tja, aber es gibt auch viele schoene Erlebnisse – heute habe ich beispielsweise Clotilda, die letztes Jahr im Oktober wegen Ihres Lymphoms behandelt wurde, zur Nachsorge gesehen. Sie hatte mich sofort erkannt und so sehr gefreut. Es geht Ihr sehr gut!
Dann haben sich alle so sehr ueber die vielen Altkleider und das Spielzug gefreut – es wird durch die Oberschwester ganz sorgsam verwaltet und an die wirklich Beduerftigen ausgegeben. Grosser Dank an die Spender – wirklich!

Auf bald, bis es wieder heisst: Neues aus Kumbo…



Sitten und Braeuche…

10 04 2010

JewjewGestern nach der Arbeit war ich bei Dr. Njume eingeladen. Er ist eigentlich fuer die Burkitt- und die Kinderstation zustaendig, aber wie ich glaube ich schon berichtet hatte in der Elternzeit. Ja, und gestern war die ganze Belegschaft der Kinderstation bei ihm eingeladen zum “Babyvisit”. Da dachte ich natuerlich, “ach lustig, schoen Baby-Schauen”. Weit gefehlt!Die Zeremonie (so muss man das ganze schon nennen) war schon im Gange, als wir eintrafen. Das bedeutet die beruehmten Polstermoebel des Wohnzimmers waren bis auf den letzten Zentimeter belegt mit der Schwesternschaft. Und in einer Ecke stand die risen rosa Wiege mit “Hello Kitty”-Abzeichen und ordentlichem Moskitonetzt. Da drin wage ein Baby zu erkennen, eingehuellt in ganz viele rosa Hemdchen und rosa Jaeckchen und rosa Hoeschen unter rosa Decken…es war ein Junge!
Die Reden hatten schon begonnen. Mir schien das alles recht improvisiert, aber zu meiner linken sass ein Pflegeschueler, der sehr nervoes auf einem Schreibblock durchstrich und neu einfuegte – er war zustaendig fuer das Programm. Dieses musste aber sehr haeufig geaendert warden, so dass ihm die Oberschwester immer in ruhigen Momenten zufluesterte, was als naechstes kommen wurde. Also Reden: die aelteste und die juengste Mutter gaben Ratschlaege – laaange Ratschlaege und auch wichtige Dinge, wie dass die Mutter sich ganz ordentlich um das Baby und den Haushalt kuemmern soll, damit der Dr. auch in Ruhe arbeiten kann. Dann durfte und wollte aber auch ein Mann mal was sagen. Und dann natuerlich Singen und sogar ein wenig Tanzen – man dankte Jesus fuer dieses Baby…
Letzendlich sollte dann das Baby praesentiert warden (das waren die Worte…), aber dieses war inzwischen aufgewacht und hatte Hunger – also Programmaenderung – Singen – dann Babypraesentation mit viel Beten und natuerlich Singen! Dann essen – das war echt lecker und reichlich. Erstaunlicher Weise wurde extreme schnell gegessen und sobald der Teller leer war, ging man dan auch mit einem kurzen Dank an die Gastgeber.

Und das Festival war noch aufregender! So ganz habe ich nicht verstanden, was da los war, aber mit dem Gefuehl bin ich hier den ganzen Tag konfrontiert (am schwersten liegt mir dieses Gefuehl auf der Station im Magen, aber das ist ein anderes Thema und soll ein ander mal erzaehlt warden…).
Also, das ganze Festival geht eine Woche und findet im Palast des Fons (Haeuptling des Dorfs) statt. Da waren Menschenmassen – unglaublich. Dann sind da im Hof die Jewjews rumgelaufen. Wenn ich das richtig verstanden habe, laufen die sonst immer mit ihren Peitschen durch die Strassen, wenn jemand verstorben ist und wenn man sie anschaut und nicht ganz schnell wegrennt dann verpruegeln sie einen. Und das haben sie auch gestern gemacht: immer wenn ein Jewjew in die Naehe der Menschenmasse kamm gin das geschreie los, alle haben sich geduckt und weggeschaut. Dann waren da noch halb nackte Maenner – ein wenig bemalt, die versucht haben die Jewjews zu fangen – mit Seilen. Und irgendjemand hat ab und zu mal geschossen – ich hoffe es waren nur Platzpatronen, aber so ganz sicher bin ih mir da nicht.



Ankunft in meinem neuen “zuhause”

9 04 2010

Gestern also morgens ein bisschen Visite und dann mein Vortrag – vor allem fuer die Schwestern, aber auch die Aerzte hatten einige Fragen – schien also erfolgreich gewesen zu sein. Dann sollte irgendwann zwischen 12 und 13 Uhr ein Fahrer kommen, der mich in “mein” Krankenhaus bringt. Der kam dann auch um 15 Uhr – aber gut – wir wollen ja nicht kleinlich sein, alles im Rahmen.

Die Fahrt war kuerzer, als ich erwartet hatte und auch weniger staubig als beschrieben. Aufgrund des ausbleibenden Regens haben wir hier aber dennoch viel roten Staub, allerdings habe ich keine Autos im Staub stecken sehen, wie beschrieben. Aber auch so war die Fahrt mal wieder sehr lehrreich. Ich habe so viele Kleinigkeiten gesehen, die ich gar nicht alle auflisten kann. Beispielsweise kuriose Dinge, wie einen Mann, der auf dem Feld arbeitete, mit einer Weihnachtsmannmuetze auf.

Aufgelockert wurde die Fahrt durch den Kassettenrecorder. Samuel, der Fahrer, schmiss sobald der Motor lief seine Lieblingskassette ein. Auf dieser befanden sich ca. 5 Lieder, die in einer Endlosschleife immer und immer wieder kamen. Mit heiteren Texten wie “Oh Jesus, your love is so great, that you died for me. Don’t worry, I honor you…”. Das ganze unterlegt mit einem fetzigen Reggae-Beat. Nach ungefaehr einer Stunde fing ich mich dann doch an zu wunder, warum Samuel die Kassette weder zurueckspulen, noch umdrehen musste. Aber die Lieder waren einfach ganz oft hintereinander aufgenommen und wenige Minuten spaeter war die Kassette dann auch endlich zu ende…

Dann endlich hier angekommen wurde ich zunaechst zum Rest House gefahren, wo ich Nanna Kuhn traf – eine Kinderonkologien aus Muenster, die bereits seit 5 Wochen hier ist. Von ihr bekam ich alle Informationen: Mein Haus war logischerweise noch nicht fertig. Ich wuerde zunaechst mit ihr im Haus wohnen und da sie (leider) sowieso am Sonntag zurueckfliegt, habe ich das Haus dann fuer mich. Das Haus ist unglaublich – das haette ich nicht erwartet. 2 Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, grosse Kueche und Bad… so viel Platz brauche ich nun echt nicht, aber d.h. mich koennen gaaaanz viele Leute besuchen kommen (in dem einen Schlafzimmer stehen 3 Betten…)

Die Kinderonkologin aus Muenster ist seit letztem Jahr berentet und dementsprechend eine Menge Erfahrung. Sie hatte leider keinen guten Start hier: Dr. Njume, den ich bereits im November kennengelernt hatte und der fuer die Kinderstation und die Burkitt Station zustaendig ist, hat gerade Vaterschaftsurlaub und kein anderer Arzt hat die Station uebernommen. So dass nun die Schwester die Burkitt Station und ein sogenannter Screener die Kinderstation geschmissen haben. Daher hatte Nanna keine “Einarbeiteung”. Sie hat sich gut durchgeboxt und mit mir heute eine Visite bei den Lymphomen gemacht – ab morgen bin ich dann also dran – alleine – ja, ich habe Angst! Aber alle hier sind so froh, dass ich da bin, denn sonst ware ja gar keener hier…

Auf der Kinderstation lasse ich mich nun aber noch ein bisschen von dem Screener einarbeiten. Er behandelt zwar alle Kinder mit allen Medikamenten, die es gibt, aber so lerne ich wenigstens die Ausstattung kennen…

Gerade ist das cultural Festival in Kumbo – da werden wir (hier sind noch 2 englische Studenten und Cathrine (englische Aerztin aus dem palliative care team, die ich noch von meinem letzten Besuch kenne)) wohl am Nachmittag hin gehen.



Mbingo

7 04 2010

Sonnenuntergang Mbingo

Sonnenuntergang Mbingo

Da gibt´s nicht viel Neues zu erzählen – lange ermüdende Fahrt – 6 Stunden. Aber das unfassbare war, dass ich um 7°° Uhr abgeholt werden sollte und der Fahrer um 6.55 Uhr vor meiner Tür stand – was sagt man dazu?

Mbingo liegt kurz hinter Bamenda, also schon etwas höher und dem entsprechend auch milderes Klima. Ab und zu hat es sogar schon etwas getröpfelt. Die Menschen hier sind schon sehr besorgt wegen der nicht einsetzenden Regenzeit. Sie haben schon so viel gesät, was nun nicht wächst (da kein Regen), aber dafür von den Vögel gefressen wird.

Hier im Krankenhaus angekommen habe ich dann kurz noch die Fortbildung von Dr. Palmer (amerikanischer Arzt, in Rente und nun 100% hier) angehört. So richtig mit Power Point und Beamer und so; und gerade schreibe ich auch von meinem Laptop (wireless) – unglaublich, oder?

Morgen halte ich dann mal noch meinen Vortrag über das Tumorlysesyndrom, mache die Visite mit und dann geht´s am Mittag auch schon weiter nach Kumbo – meinem zukünftigen zuhause!



Mutengene

6 04 2010

03.04./3°° Uhr – der Wecker klingelt – ich war natürlich schon wach…noch schnell die letzten Dinge im Rucksack verstaut, die extrem wichtige Schutzfolie, die mein Gepäck wenigsten etwas vor dem rauen Umgang des Flughafenpersonals schützen sollte, rumgewickelt und…

4°° Uhr – Abfahrt nach Tegel. Dort dann doch zu früh, langes Warten auf das Bording Personal. Zum Glück war meine Familie dabei, die mir das Warten etwas erleichtert hat. Und dann tatsächlich gar keine Probleme beim Einchecken – unglaublich – trotz drei Gepäckstücken und nicht immer ganz 23 kg…

6.45 Uhr – Abflug nach Brüssel

8°° Uhr – pünktliche Ankunft in Brüssel…MÜDE‼!

10.50 Uhr – Nein, kein pünktlicher Abflug

11.30 Uhr – Ja, jetzt war alles repariert – Abflug nach Kinshasa (Ja, ja, auch bei mir machte sich Verwirrung breit, aber es ging über Douala…)

17.15 Uhr (Douala Ortszeit) – Ladung, raus aus dem Flugzeug und wusch – 31°C und 83% Luftfeuchte und ich in Fleecejacke und dicken Jeans. Aber erstaunlich gut organisierter Empfang für mich. Da ich das Procedere ja nun schon kannte (erst Impfausweis, dann Personalausweis mit peinlich genau ausgefülltem Einreiseformular und dann noch kritischer Blick, ob das Foto wirklich den Menschen zeigt, der da vor einem steht) war ich auch rasch in der „baggage claim area“. Dort hat mir Roger dann geholfen mein Gepäck zu finden. Erst habe ich ziemlich gezittert, weil meins nicht kam, aber Geduld… Und – tada: nahezu unbeschädigt (dank Schutzfolie) alle drei Gepäckstücke. Nu ab zum Zoll und dann so´n Mist: ich soll die eine Tasche öffnen und zwar die, mit dem DNA-Extraktionskit (für alle, die damit nichts anzufangen wissen: Chemikalien, die aussehen, als wollte ich eine Bombe bauen). Aber der gelangweilte Zollbeamte schaffte es gerade so mit seinem müden kleinen Finger eine meiner Jeans zu lüften und dann hatte er keine Lust mehr. Geschafft‼!

Mich hat dann der Fahrer, den ich auch schon von meinem letzten Besuch kannte nach Mutengene gefahren, wo ich dann nur noch müde nach einer angenehmen Dusche in meinem wunderbaren Rest House ins Bett gefallen bin.

Tja und dann am Sonntag habe ich schön ausgeschlafen, nachdem ich aus dem Bad kam stand mein Frühstück im Zimmer – wunderbar! O.k., der Kaffee war Tee und das zum Toaste gab´s nur Butter, aber immer hin…

Am Mittag hat mich dann Dr. Eduard abgeholt. Er hatte Dienst und wir sind zusammen ins Krankenhaus gefahren. Und schnell habe ich gemerkt, was es hier bedeutet Arzt zu sein. Er schnippt mit dem Finger und alle springen. Ein bisschen arrogant, aber man scheint das von ihm zu erwarten – besonders die Patienten. Nachdem wir dann einige (wie ich finde wenige) Patienten angeschaut hatten, sind wir ab in ein Restaurant und er hat erstmal schön bei 30°C und Dienst ein Bier getrunken (die sind hier immer 0,5L…), ich habe mich auf Cola beschränkt (die sind hier immer 0,6L…) Ja, abends sind wir dann noch was essen gegangen – Burger gab´s nicht, aber Reis – war lecker.

Montag wurde ich dann in der großen Runde der gesamten Belegschaft vorgestellt – jetzt grüßen mich wieder alle egal wo ich bin mit „Hello Dr. Mona“… Ja, dann Visite. Hier in Mutengene sind es nur 3 Ärzte und eine sehr komische Visite – jeder macht auf allen Stationen die Patienten, die er möchte. Es schien aber tatsächlich zu klappen. Das Tempo war zwar sehr gediegen, aber die Patienten scheinen alle behandelt zu werden – irgendwie komisch. Dr. Eduard gibt den Patienten (oder auf alle Fälle mir), das Gefühl, dass er eigentlich extrem uninteressiert ist, aber ich habe gemerkt, dass es nicht so ist. Er weiß sehr viel und arbeitet schon seit 7 Jahren hier – das ist einfach kamerunische Coolness.
Ja, und dann am Nachmittag noch seine Sprechstunde – ein Traum. Man kann sich kaum vorstellen, wie der Umgang mit den Patienten ist – ohne, dass die es einem übel zu nehmen scheinen. Sie verstehen meist weder sprachlich noch inhaltlich wovon der Arzt redet und oft versteht der Arzt auch nicht (meist ein Sprachenproblem) was der Patient eigentlich will. Dem entsprechend wird mit den Patienten wie mit kleinen Kinder geredet, aber nicht schön Prenzlauer-Berg-öko-Erziehung, sondern es handelt sich um die gute alte autoritäre Erziehung – mehr so: „What did I say? Did you understand, Mummy?“ Auf alle Fälle sehr lehrreich und anders! Morgen (Mittwoch) geht es dann weiter nach Mbingo!



Noch 5 Tage…

29 03 2010