The Extreme North

14 01 2011

Das ist keine Übertreibung von mir, sondern so heißt die nördlichste Region von Kamerun.

Viele haben mich gefragt, wie man denn Weihnachten und Silvester so in Kamerun verbringt. Naja, über Weihnachten habe ich ja berichtet…

Die Silvester-Nacht haben wir im Zug verbracht. Ja, in Kamerun gibt´s auch ´nen Zug… Aber wie kam es da zu?

Teil 1 – Douala und Martins Ankunft

Mein guter Freund Martin ist zu Besuch! Hier sei erwähnt, dass er der erste (und vielleicht einzige, der so zahlreich angekündigten Besucher…) aus der Heimat ist, der den langen Weg auf sich genommen hat, um meine 2. Heimat kennenzulernen. Obwohl noch 3 Besucher schwer am planen sind…

Martin kam also am 28.12. in Douala an, wo ich ihn natürlich mit Freuden empfangen habe. Pünktlich wie ich war, haben mich während der 3 Stunden Wartezeit am Flughafen schon mal die Mücken zerstochen, aber das war nicht das Schlimmste, denn zu Martins großer Verwunderung war sein Gepäck gar nicht im Flieger. Ich war weniger überrascht, denn das habe ich schon sehr häufig von Air France gehört. Interessanter Weise ist Air France aber so gut organisiert, dass bei Ankunft des Fliegers schon eine Liste ausgedruckt parat lag, wo all´ das Gepäck mit Besitzern aufgelistet war, welches nicht im Flieger mitgekommen ist – und die Liste war lang.

Im Grunde kein riesen Problem, nur dass ja der Jahreswechsel vor der Tür stand, wir mit Max, Bri und Ruth am nächsten Morgen in Yaounde verabredetet waren, um in den Norden aufzubrechen und Martins Socken, Unterhosen, kurze Hosen, T-Shirts und all das Adventure-Equipment nicht am rechten Ort waren.  Was bleibt einem anderes übrig? Also eine weitere Nacht in Douala und hoffen und bangen, dass das Gepäck im nächsten Flieger am nächsten Abend ist. Das Gute daran: Martin konnte seine erste afrikanische Großstadt kennenlernen. Ich habe es ihm nicht ganz einfach gemacht, keine Schonzeit – sofort auf´s Bike, zu acht im Taxi, Straßenimbiss und, und, und… Er hat sich aber sehr gut geschlagen!

Die gute Organisation bei Air France habe ich ja schon erwähnt – Gepäck also am nächsten Abend in Douala angekommen und Max, Bri und Ruth haben auf uns in Yaounde gewartet. Gar kein Problem!

Naja, aber so kam es also, dass wir erst am 31gsten morgens nach Yaounde fahren konnten und von dort den Nachtzug nach Ngaoundere. Und da wären wir also: Silvester im Zug!

Teil 2 – Die Silvesternacht

Wow – Zug, 2. Klasse besser, als erwartet! Eigentlich ganz gut Platz, recht sauber und fährt. Sogar die Abfahrt pünktlich auf die Minute – 18:10 Uhr (da haben wir erst noch groß über eine solch genaue Zeitangabe gelacht – zu Unrecht!).

Also, dann, große Langeweile – Rätselraten – Geschichten vom letzten Silvester erzählen – Erdnüsse essen – Whisky trinken – Chips essen – Schokolade essen – Cola trinken. Alle Kameruner drum rum schon 10 Minuten nach Abfahrt im Tiefschlaf.

Dann endlich 24:00 Uhr‼! Max mit der Sekt-Flasche in der Hand – da knallt der Korken. Freude? Ja, bei uns schon, aber erschrockene, leicht verärgerte kamerunische Gesichter. Silvester, also 24:00 Uhr ist denen mal total egal – Neujahr wird vielleicht ein bisschen mehr dann mit der Familie gefeiert.

Teil 3 – Verkehrsmittel

O.k., vom Zug haben wir ja nun schon gehört. Was sonst noch? Bus natürlich. Und während meiner 12 tägigen Reise war tatsächlich ALLES, was sich irgendwie Bus nennt (im Grunde auch, was sich nicht so nennen dürfte) dabei. Angefangen bei großen, recht komfortablen Bus von Bamenda nach Douala oder auch Douala nach Yaounde. Dann natürlich die etwas kleineren Minibusse, aber doch noch sehr bequem. Natürlich alle mit noch ein paar eingebauten Reihen und Sitzen, so dass man nicht zu viel Beinfreiheit genießt, aber man wird ja genügsam… Dazu gute, geteerte Straßen.

Aber auch in einem kleinen bequemen, im Grunde schnellen Minibus auf geteerten Straßen kann man wahnsinnig werden: Fahrt Maroua – Ngaoundere – eigentlich eine Sache von so 5-6 Stunden. Aber man kann das ganze auch auf 10,5 Stunden ausdehnen, indem man einfach alle 5 km anhält, Leute mitnimmt oder Leute aussteigen lässt. Oder auch ein ganz einfaches Mittel so eine Fahrt in die Länge zu ziehen: Polizeikontrolle. Eine geschlagene Stunde um 1 Uhr nachts ALLES Gepäck vom Dach holen und durchsuchen. Und ich kann Euch sagen: Die Kameruner sind keine Freunde von leichtem Gepäck… Naja, lustig, dann kommt der Gendarm also mit ernster Miene in den Bus und fragt, wem das und das Gepäckstück gehört – Schweigen und betretenes Auf-den-Boden-schauen – keine Antwort. Also verlässt der Gendarm nach 5 Minuten den Bus, lässt alles Gepäck wieder aufladen und wir dürfen weiter fahren. Sinn? Keine Ahnung! Wirklich passiert oder geträumt? Martin war dabei – ich habe Zeugen!

Das tolle an der langen Fahrt war, dass wir also um 4 Uhr morgens in Ngaoundere angekommen sind, natürlich kein Zimmer mehr genommen haben, es echt schw… kalt war (ja, ich weiß, es ist Afrika, aber die Nächte sind trotzdem kaaalt) und der nächste Bus erst so um 6:30 Uhr fuhr…

Weiter. Schlimmste Fahrt: Ngaoundere – Banyo. Also nach einer sch… Nacht halb im Bus, halb erfroren auf dem Busbahnhof den tollsten Bus ever ergattert – Ende 60er Jahre, erinnerte ein bisschen an die vordere Hälfte eines typischen amerikanischen Schulbus. Nur, dass (obwohl er max. halb so groß war) natürlich mindestens genau so viele Leute reinpassen. Und dann die Straße – Staubpiste mit Schlaglöchern. 14,5 Stunden Fahrt. Also, ich habe sicher schlimmere Straßen gesehen, schon schlechter zu neunt in einem Toyota gesessen, ich habe schon mal 2 Nächte hintereinander in einem Nachtbus verbracht, aber die Kombination aus all´ dem war wirklich das Highlight meiner Transporterfahrungen in Kamerun. Nicht zu vergessen, wie wir die Nacht zuvor verbracht hatten…

Teil 4 – Die Menschen und ihre Kultur

Ja, der Norden ist gaaanz anders. Wirklich – man kann nicht mehr so recht glauben, dass man noch in Kamerun ist. Angefangen beim Aussehen – die Nordkameruner sind schlank – eigentlich alle. Die Gesichtszüge sind filigraner, die Haut heller. Sprache? Na gut, Französisch, aber das ist ja nun mal die Amtssprache in 80% des Landes. Dann ist der Norden zum Großteil muslimisch, was das Stadtbild enorm prägt – viele Moscheen, ständig betende Menschen, weniger bis kein Bier/Alkohol in den Bars. Die Menschen tragen andere Kleidung – alle Männer haben so schöne lange Gewänder an und ihre Kappen auf, die Frauen ihre traditionellen Stoffe kunstvoll umgeschlungen. Auf den Straßen wird viel Tee verkauft und Sesam und Datteln und es gibt Yoghurt, die Straßen werden jeden Morgen von Menschen in Arbeitsuniform gefegt, überall gibt es Mülleimer (auch wenn sich am Stadt-/Dorfrand trotz alle dem die Plastikbeutel regelmäßig türmen) und kaum einer steht am Straßenrand und pinkelt (ein Bild, an das wir uns in Kumbo gewöhnt haben). Also, ich kann Euch nur sagen: gaaanz anders – mehr wie in einem arabischen Land.

Teil 5 – Die Nationalparks

Da will ich gar nicht viel zu sagen. Wir waren in zwei Nationalparks, in einem gewandert in dem anderen richtig Safari mit Auto. Wir haben Nilpferde, Giraffen, Warzenschweine, Krokodile, Affen und viieeele Vögel gesehen. Nicht aufregender oder schöner als andere afrikanischen Nationalparks (ich habe ja den Vorteil schon Tansania und Südafrika erlebt haben zu dürfen). Eher ein wenig unorganisierter, laienhafter. Nichts desto trotz schöne Landschaften und auf alle Fälle empfehlenswert.

The Extreme North – wer das Jahr also mal anders beginnen möchte – ich kann´s wirklich empfehlen. Ich hatte enorm viel Spaß, habe so viel Neues kennen gelernt und war sogar ein wenig wehmütig den Norden wieder verlassen zu müssen.