Dies und das
5 06 2010Ja, ja, die Zeit vergeht tatsächlich wie im Fluge…nun haben wir doch wirklich schon Juni und letzten Samstag waren es 8 Wochen, also schon 2 Monate, die ich hier bin! Ich kann es fast gar nicht glauben!
Doch kommen wir zu den wichtigen Dingen: Was habe ich in den letzten Wochen erlebt?!
Aufregend, anstrengend, zum Haare raufen und ich weiß nicht was noch alles war der „screener course“ letzte Woche. Ich hatte 17 Stunden um das kleine Fach „Pädiatrie“ zu unterrichten. Wie bereits erwähnt, sind die „Screener“ Schwestern und Pfleger, die durch eine 3 monatige Zusatzausbildung in der Lage sind/sein sollen, eher ärztliche Tätigkeiten zu übernehmen. Sie sitzen also in der Notaufnahme und entscheiden, wer krank ist, wer aufgenommen werden soll, wer welche Therapie bekommt und wer dann doch noch von einem Arzt gesehen werden sollte.
Naja, und neu in dieser 3 monatigen Ausbildung: 17 Stunden Pädiatrie‼!
Ich hatte mich wirklich gut vorbereitet mit vielen Präsentationen, die die aller wichtigsten Themen der Pädiatrie abdecken sollten und vor allem praktisch orientiert – da das ja für die „Screener“ letztendlich am wichtigsten ist. Sie müssen entscheiden wer wirklich krank ist und wer nicht!
Es waren 12 junge Menschen im Kurs und ich habe selten so wenig Enthusiasmus gesehen…ein Albtraum! Ich habe versucht gaaaanz nett zu sein, ich habe versucht lustig zu sein, ich habe immer wieder auf sie eingeredet, dass sie doch bitte fragen sollen, dass ich ja nicht genau weiß auf welchem Level sie sind, dass sie mir sagen sollen, wenn ich was anders machen soll, wenn sie mich nicht verstehen und, und, und…
Aber nischt – es kam kaum was zurück. Ich war mir anfangs nicht ganz sicher, ob das die afrikanische Höflichkeit ist, Respekt gegenüber dem weißen Doktor oder einfach Faulheit und Desinteresse! Heute bin ich schlauer – sie waren einfach nur höflich!
Auf alle Fälle habe ich sie nach dem ersten „Katastrophen“-Tag (so hatte ich es zumindest empfunden – die Studenten anscheinend nicht, wie sie hinter her sagten – aber das weiß man ja auch nicht so ganz genau – vielleicht waren sie nur höflich…) dann mit auf die Station genommen: 2er Grüppchen – Anamnese, Untersuchung und dann Patienten-Vorstellung! Und siehe da –das hatte ihnen Spaß gemacht – sie waren auf einmal lockerer, haben Fragen gestellt und mitgemacht! Naja, von da an war es besser – ab und zu kam mal ein Witz an, es wurde gekichert und es wurde mir sogar gesagt, wenn man mich nicht versteht…
Zumindest hoffe ich, dass sie etwas gelernt haben. Ich habe heute die Klausur, die ich für sie machen musste korrigiert – leider sind doch 3 durchgefallen, obwohl die Fragen nicht so schwer waren… Die Restlichen haben tatsächlich ganz ordentliche Antworten gegeben!
Letzte Woche war übrigens Professor Hesseling hier (für alle, die es nicht wissen: das ist der südafrikanische Professor, der das Burkitt Lyphom Projekt hier aufgebaut hat und dem ich meinen Aufenthalt hier zu verdanken habe). Es war wunderbar – er ist wirklich ein toller Mensch: intelligent, lustig, nett, fürsorglich,…
Vor 2 Wochen war ich in Bamenda – mal wieder ein bisschen „Großstadtfeeling“. Ich bin zusammen mit Luisa und Jule gefahren (zwei Mädels aus Deutschland, die hier ihr freiwilliges soziales Jahr absolvieren – sie haben nun leider schon 10 Monate hinter sich und reisen Ende Juli wieder zurück). Wir waren nur eine Nacht in Bamenda – aber das hatte mir dann auch schon wieder gereicht. Obwohl ich ein Großstadtkind bin bleibt mir der Nutzen von einer Stadt wie Bamenda doch verborgen. Sie ist einfach nur laut und dreckig. Man kann nicht wirklich mehr kaufen oder erleben, als in Kumbo. Ach doch, eines – es gibt eine ATM – man kann Geld abheben‼! Dafür sind die Strapazen der Fahrt recht groß. Nachdem kein Bus mehr am Nachmittag zurückfuhr, hatte ich beschlossen mit einem Auto, so eine Art Sammeltaxi, zurückzufahren. Fehler! Wir waren 8 Erwachsene und ein Kind in einem kleinen 2-Türer-Toyota! 3,5 Stunden! Wie das geht? Ganz einfach: 4 vorne („2nd driver“) und 4 hinten plus Kind auf´m Schoß! Ach ja, bitte nicht vergessen: die Straßen zwischen Kumbo und Bamenda gehören zu den Schlechteren – nur Lehm-Matsch, nicht geteert‼!
Nun gut, ihr seht, trotz eingekehrtem Alltag und viel Arbeit erlebe ich hier jeden Tag Dinge, die mich erstaunen, erheitern oder nachdenklich machen – es sind so viele Kleinigkeiten, die ich gar nicht alle aufzählen kann, die meinen Aufenthalt hier so aufregend und schön machen!
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