Die traurige Seite des Alltags

26 06 2010
Cinthia

Ruth

Nun, da ich seit 3 Monaten hier bin, sollte und möchte ich auch mal über die anderen, traurigen Seiten des Klinikalltags berichten. Wie mir und wohl auch jedem anderen klar war/ist, sehe und erlebe ich hier neben all´ den schönen Dingen auch sehr viele traurige Sachen. Vor allem betrifft das natürlich die medizinische Versorgung. Ich habe nicht wirklich viel Erfahrung mit der Intensivversorgung von Kindern, aber das scheint hier manchmal sehr nötig. Eigentlich weiß ich nicht genau, ob mehr Erfahrung wirklich hilfreich wäre oder mich nur frustrieren würde, weil man gar nicht die Ausrüstung und Medikamente hat, um diese Erfahrung und das Wissen anzuwenden. Ich habe hier inzwischen wirklich schon einige Kinder und Babys reanimiert – mit Beutel, Herzdruckmassage, Adrenalin. Aber da hört es dann leider auch schon auf – mehr gibt es nämlich nicht. Ach ja, Atropin habe ich gestern noch entdeckt. Dazu kommt, dass nicht alle der Schwestern hier gut über die Reanimation Bescheid wissen. So hilft mir sicher eine immer mit der Herzdruckmassage, aber beim Bebeuteln wird es schon schwierig. Masken passen oft nicht richtig, Beutel sind kaputt oder viel zu groß für das Alter der Kinder. Sauerstoff ist zwar da, aber die Prozent sind unklar – Liter pro Minute kann man noch einstellen. Dann stehe ich also da – bebeutelnd, irgendjemand macht Herzdruckmassage, das Kind atmet unregelmäßig selbständig, die Sättigung ist o.k.. Wenn ich aber aufhöre zu bebeuteln, dann hört das Kind auch auf zu atmen. Intubieren und maschinelle Beatmung? Not available – gibt es nicht! Also, wie lange mache ich weiter. Nach 1 Stunde wird es schon sehr anstrengend und es ist niemand da, der mich ablösen kann… Es ist wirklich schwierig. Es gibt Wochen, in denen sterben hier 7 Kinder. Oft bekomme ich es nicht mit, weil es nachts passiert. Ich muss „nur“ jeden Morgen die Totenscheine ausfuellen!

Gestern waren es 2, leider erfolglose, Reanimationen – das ist echt viel – vielleicht fast zu viel neben all´ den anderen Patienten, die versorgt werden wollen und müssen!

Ein 21 Tage altes Baby war wirklich stabil nach einer Reanimation. 2 Tage später ist es aber doch in den frühen Morgenstunden verstorben und ich weiss noch nichtmal so genau warum. Man fragt sich in solchen Momenten dann doch, wie viel Sinn das alles macht – hilft man wirklich?

Aber zum Glück habe ich hier sehr liebe Kollegen, Schwestern und Freunde, die mich unterstützen und helfen und einen immer wieder ermutigen. Das ist das Schöne – man hat Unterstützung und die Arbeit, die man versucht zu leisten wird doch irgendwie anerkannt.

Und was man ja nie vergessen sollte, dass es ja doch sehr viele Kinder sind, die hier lachend wieder raus spazieren und das ist es doch auf alle Fälle wert – so ein süßes Kinderlächeln!



Endlich geht´s los…

11 06 2010

… die Kinderstation ist wie leer gefegt – pünktlich zum WM-Start. Von sonst über 30 Kindern sind jetzt gerade nur so 10-12 da. Wenn ich nicht ein Glückskind bin! Ich mache jetzt gleich Schluß und werde mir das Eröffnungsspiel anschauen. Ich wünsche allen viel Spaß bei der WM und nicht vergessen – ITALIEN wird wieder gewinnen :)!!!



Dies und das

5 06 2010

Ja, ja, die Zeit vergeht tatsächlich wie im Fluge…nun haben wir doch wirklich schon Juni und letzten Samstag waren es 8 Wochen, also schon 2 Monate, die ich hier bin! Ich kann es fast gar nicht glauben!

Doch kommen wir zu den wichtigen Dingen: Was habe ich in den letzten Wochen erlebt?!

Aufregend, anstrengend, zum Haare raufen und ich weiß nicht was noch alles war der „screener course“ letzte Woche. Ich hatte 17 Stunden um das kleine Fach „Pädiatrie“ zu unterrichten. Wie bereits erwähnt, sind die „Screener“ Schwestern und Pfleger, die durch eine 3 monatige Zusatzausbildung in der Lage sind/sein sollen, eher ärztliche Tätigkeiten zu übernehmen. Sie sitzen also in der Notaufnahme und entscheiden, wer krank ist, wer aufgenommen werden soll, wer welche Therapie bekommt und wer dann doch noch von einem Arzt gesehen werden sollte.

Naja, und neu in dieser 3 monatigen Ausbildung: 17 Stunden Pädiatrie‼!

Ich hatte mich wirklich gut vorbereitet mit vielen Präsentationen, die die aller wichtigsten Themen der Pädiatrie abdecken sollten und vor allem praktisch orientiert – da das ja für die „Screener“ letztendlich am wichtigsten ist. Sie müssen entscheiden wer wirklich krank ist und wer nicht!

Es waren 12 junge Menschen im Kurs und ich habe selten so wenig Enthusiasmus gesehen…ein Albtraum! Ich habe versucht gaaaanz nett zu sein, ich habe versucht lustig zu sein, ich habe immer wieder auf sie eingeredet, dass sie doch bitte fragen sollen, dass ich ja nicht genau weiß auf welchem Level sie sind, dass sie mir sagen sollen, wenn ich was anders machen soll, wenn sie mich nicht verstehen und, und, und…

Aber nischt – es kam kaum was zurück. Ich war mir anfangs nicht ganz sicher, ob das die afrikanische Höflichkeit ist, Respekt gegenüber dem weißen Doktor oder einfach Faulheit und Desinteresse! Heute bin ich schlauer – sie waren einfach nur höflich!

Auf alle Fälle habe ich sie nach dem ersten „Katastrophen“-Tag (so hatte ich es zumindest empfunden – die Studenten anscheinend nicht, wie sie hinter her sagten – aber das weiß man ja auch nicht so ganz genau – vielleicht waren sie nur höflich…) dann mit auf die Station genommen: 2er Grüppchen – Anamnese, Untersuchung und dann Patienten-Vorstellung! Und siehe da –das hatte ihnen Spaß gemacht – sie waren auf einmal lockerer, haben Fragen gestellt und mitgemacht! Naja, von da an war es besser – ab und zu kam mal ein Witz an, es wurde gekichert und es wurde mir sogar gesagt, wenn man mich nicht versteht…

Zumindest hoffe ich, dass sie etwas gelernt haben. Ich habe heute die Klausur, die ich für sie machen musste korrigiert – leider sind doch 3 durchgefallen, obwohl die Fragen nicht so schwer waren… Die Restlichen haben tatsächlich ganz ordentliche Antworten gegeben!

Letzte Woche war übrigens Professor Hesseling hier (für alle, die es nicht wissen: das ist der südafrikanische Professor, der das Burkitt Lyphom Projekt hier aufgebaut hat und dem ich meinen Aufenthalt hier zu verdanken habe). Es war wunderbar – er ist wirklich ein toller Mensch: intelligent, lustig, nett, fürsorglich,…

Vor 2 Wochen war ich in Bamenda – mal wieder ein bisschen „Großstadtfeeling“. Ich bin zusammen mit Luisa und Jule gefahren (zwei Mädels aus Deutschland, die hier ihr freiwilliges soziales Jahr absolvieren – sie haben nun leider schon 10 Monate hinter sich und reisen Ende Juli wieder zurück). Wir waren nur eine Nacht in Bamenda  – aber das hatte mir dann auch schon wieder gereicht. Obwohl ich ein Großstadtkind bin bleibt mir der Nutzen von einer Stadt wie Bamenda doch verborgen. Sie ist einfach nur laut und dreckig. Man kann nicht wirklich mehr kaufen oder erleben, als in Kumbo. Ach doch, eines – es gibt eine ATM – man kann Geld abheben‼! Dafür sind die Strapazen der Fahrt recht groß. Nachdem kein Bus mehr am Nachmittag zurückfuhr, hatte ich beschlossen mit einem Auto, so eine Art Sammeltaxi, zurückzufahren. Fehler! Wir waren 8 Erwachsene und ein Kind in einem kleinen 2-Türer-Toyota! 3,5 Stunden! Wie das geht? Ganz einfach: 4 vorne („2nd driver“) und 4 hinten plus Kind auf´m Schoß! Ach ja, bitte nicht vergessen: die Straßen zwischen Kumbo und Bamenda gehören zu den Schlechteren – nur Lehm-Matsch, nicht geteert‼!

Nun gut, ihr seht, trotz eingekehrtem Alltag und viel Arbeit erlebe ich hier jeden Tag Dinge, die mich erstaunen, erheitern oder nachdenklich machen – es sind so viele Kleinigkeiten, die ich gar nicht alle aufzählen kann, die meinen Aufenthalt hier so aufregend und schön machen!