Das letzte Abenteuer

3 04 2011

Tatsächlich – am 21. Februar habe ich noch Besuch aus der Heimat bekommen. Barbara und Magda aus meinem Basketballteam haben die Strapazen einer 2 wöchigen Kamerun-Reise auf sich genommen, nur um mich zu sehen (naja, vielleicht nicht nur, aber hauptsächlich…) Und da das alles so spontan und kurz vor Ende meines eigenen Aufenthalts war, konnte ich gar nicht mehr viel Urlaub nehmen um die zwei gebührend zu empfangen. Aber sie haben sich tapfer geschlagen: Große Hürde Flughafen Douala mit Leichtigkeit links liegen gelassen, dann nach Yaounde, um den Zug in den Norden zu nehmen. Der ist aber leider die Nacht davor ausgefallen, so dass die zwei keine Tickets mehr für die nahfolgende Nacht bekommen haben. Nichts desto trotz waren sie nicht all zu enttäuscht und haben ihre Pläne kurzer Hand verworfen. Daher standen nun Baffousam, Bamenda und schließlich das wunderschöne Kumbo an. Und da bekomme ich an einem Sonntag auf einmal einen Anruf von den Security-Guards: „There are visitors waiting for you!“ Ja, sie haben es geschafft, ganz alleine, ohne Hilfe und ohne Verluste von Douala mit Umwegen hin nach Kumbo und bis ins Krankenhaus – Respekt‼!

Zwei Tage haben die beiden dann bei mir verbracht, sich ausgeruht, den Fon besucht, meinen Schneider kennengelernt, der auch für sie wundervolle Kleidung gezaubert hat, den Markt besichtigt und einfach Kumbo genossen.

Dann sind wir zusammen am Mittwoch gaaaanz früh los, um wieder Richtung Bamenda zu fahren, dann aber weiter nach Buea, denn ICH HABE NOCH MEHR BESUCH BEKOMMEN! Ist das nicht toll? Die Julia, eine ehemalige Arbeitskollegin von mir (inzwischen in der Schweiz tätig), hat es sich nicht nehmen lassen, auf den letzten Drücker auch nochmal vorbeizuschauen. Ja, und da die Julia schon oft in Afrika unterwegs war und auch schon in Tansania gearbeitet hat, wusste sie auf alle Fälle, was sie erwartet und hat sich ebenso tapfer wie Barbara und Magda geschlagen. Sie hat die erste Nacht in Douala zunächst weniger glücklich erlebt, da die Hotelzimmerreservierung irgendwie nicht geklappt hatte und sie nun auf eigene Faust sich in der Ankunftsnacht noch eine Bleibe suchen musste. Aber nachdem das erledigt war, ging es Berg auf (im wahrsten Sinne des Wortes…). Sie hat noch ein paar Tage in Kribi verbracht und sich dann mit uns in Buea getroffen um den Mt. Cameroon – 4095 m – zu besteigen. Also, Mittwochabend in Buea – eine Wiedersehensfreude: Julia, Max, Bri, Ruth und Anton (Ruths Freund war auch am Abend zuvor aus Deutschland eingetroffen) trafen auf Barbara, Magda und mich. Da ist dann diese große Gruppe Weißer am Abend in die Stadt gelaufen, um noch was zu essen und zu trinken, denn am nächsten Morgen war der Spaß vorbei – der Berg rief…

1. Tag: schön früh aufgestanden, damit wir schön früh loskönnen, damit wir den schwülen Regenwald nicht in der größten Hitze durchqueren. Naja, also haben wir uns mit unseren „Portern“ getroffen (Ja, so ganz alleine sind wir natürlich nicht hoch…) und mal noch umgepackt. Aber unser versprochener „VIP-Guide“ fehlte und war auch nicht auf dem Handy zu erreichen. Also, warteten wir und warteten und… da kam auf einmal Hans der „Guide“ um die Ecke – völlig blau‼! Die Porter haben sich köstlich amüsiert, wir waren etwas verunsichert: wie sollen wir den denn da hoch bekommen??? Jean-Claude, der uns all das organisiert hatte, beruhigte uns und sagte, dass Hans leider öfter mal etwas über den Durst trinke, aber schnell beim Aufstieg ausnüchtere und dann sei er ein ganz toller „Guide“. So oder so ähnlich war es dann auch. Am Anfang durch den Regenwald verlor Hans schon regelmäßig den Anschluss – er befand sich immer so 10 Minuten hinter uns. Aber auch die Porter kannten natürlich den Weg, durch den Mt. Cameroon Race, der nur eine Woche zuvor stattgefunden hatte (Der Erste brauchte nur 4 Stunden und 29 Minuten für Auf- und Abstieg, verrückt, oder?), waren die Wege auch für uns gut erkenntlich und wir hatten Spaß. Hans hat trotzdem versucht uns immer wieder interessante Dinge über den Berg, seine Frau (das Meer) und Baumgrenzen zu erzählen. Sogar getanzt hat er mit uns, um den Berg zu besänftigen – lustig! Ja, und im Regenwald war es schon echt feucht irgendwie, also so sehr habe ich glaube ich selten geschwitzt – es lief einfach nur so – bei allen! Als dann die Baumgrenze erreicht war, wurde es steiler – aber wie Hans uns beruhigte, war das noch nicht der steilste Teil. Ja, und hier trennte man sich dann gezwungener Maßen so ein bisschen – jeder hat halt doch ein anders Tempo. Und Max immer vorne weg… Ja, das war schon sehr anstrengend. Es wurde langsam etwas kühler, windiger, die Luft dünner und der Weg steiler. Für jeden großen Schritt musste ich drei Mal durchatmen – erstaunliche Erfahrung! Und wunderschöne Landschaft, super Ausblick, sogar Buea konnten wir sehen, wo ja der Berg sonst eigentlich 90 % im Nebel-Wolken-Dunst liegt.

Die erste Nacht verbrachten wir auf 2800 m in einer Hütte. Das war eigentlich ganz gemütlich. Dann beendete eine Stimme allerdings viel zu früh diese Nachtruhe „Get up!“. Julia schon nach 2 Minuten in den Wanderklamotten. Aber dem Max kam das komisch vor – er schaute clevere Weise zunächst mal auf die Uhr – 1:30 Uhr – mitten in der Nacht. Also schön weiterschlafen. Dann so gegen 5:30 Uhr kamen in der Hütte die ersten Wanderer an, die gegen Mitternacht in Buea losgelaufen waren – mit Taschenlampe. Verrückt!

Der zweite Tag war wirklich der schönste – wir erreichten nach wenigen Stunden den Gipfel, die Landschaft war so anders, so skurril, so schön und der Abstieg durch die Asche und das Lavagestein hat einfach echt Spaß gemacht! Kurz bevor wir den Gipfel erreichten, machten wir noch einen kleinen Umweg zu dem Krater von 2000 – da dampfte es noch… Und es war so windig – unvorstellbar. Also, ich hatte echt Mühe, nicht weggeweht zu werden und dann dreht der Wind auch so plötzlich und scheint aus allen Richtungen zu kommen. Auf dem Gipfel verweilten wir nicht länger als 5 Minuten – zu kalt und viiieeel zu windig. Ja, und dann der Abstieg – am einfachsten und auch am spaßigsten war es, einfach loszurennen – das ist am energiesparendsten, da man nicht so viel bremsen muss… Und es ist einfach echt lustig durch die Asche zu rennen. Die Landschaft ist unglaublich – so abwechslungsreich und so komisch. Zum Teil wie auf dem Mond, dann wieder ewig weit Graslandschaft, zwischendurch auch grünes Gras. Die zweite Nacht haben wir dann kurz über der Baumgrenze gezeltet. Zum Glück gab es eine kleine Quelle dort, wo wir uns waschen konnten, da der Abstieg doch seine Spuren hinterlassen hatte – durch die Asche…

Ja, der dritte Tag war geprägt durch gaaanz krassen Muskelkater. Das hatte ich so echt noch nie. Ja und dann wieder Dschungel und im Grunde nur der Wunsch endlich anzukommen.

Aber wir sind alle heile angekommen und waren alle auf´m Gipfel – das war schon super und nicht so ganz selbstverständlich – 4095 Meter‼!

Der Gipfel

Der Gipfel

Und während ich diese Zeilen schreibe sitze ich bereits wieder in meinem Berliner Wohnzimmer und kann es kaum fassen wieder hier zu sein – so schnell vergeht ein Jahr!



The Extreme North

14 01 2011

Das ist keine Übertreibung von mir, sondern so heißt die nördlichste Region von Kamerun.

Viele haben mich gefragt, wie man denn Weihnachten und Silvester so in Kamerun verbringt. Naja, über Weihnachten habe ich ja berichtet…

Die Silvester-Nacht haben wir im Zug verbracht. Ja, in Kamerun gibt´s auch ´nen Zug… Aber wie kam es da zu?

Teil 1 – Douala und Martins Ankunft

Mein guter Freund Martin ist zu Besuch! Hier sei erwähnt, dass er der erste (und vielleicht einzige, der so zahlreich angekündigten Besucher…) aus der Heimat ist, der den langen Weg auf sich genommen hat, um meine 2. Heimat kennenzulernen. Obwohl noch 3 Besucher schwer am planen sind…

Martin kam also am 28.12. in Douala an, wo ich ihn natürlich mit Freuden empfangen habe. Pünktlich wie ich war, haben mich während der 3 Stunden Wartezeit am Flughafen schon mal die Mücken zerstochen, aber das war nicht das Schlimmste, denn zu Martins großer Verwunderung war sein Gepäck gar nicht im Flieger. Ich war weniger überrascht, denn das habe ich schon sehr häufig von Air France gehört. Interessanter Weise ist Air France aber so gut organisiert, dass bei Ankunft des Fliegers schon eine Liste ausgedruckt parat lag, wo all´ das Gepäck mit Besitzern aufgelistet war, welches nicht im Flieger mitgekommen ist – und die Liste war lang.

Im Grunde kein riesen Problem, nur dass ja der Jahreswechsel vor der Tür stand, wir mit Max, Bri und Ruth am nächsten Morgen in Yaounde verabredetet waren, um in den Norden aufzubrechen und Martins Socken, Unterhosen, kurze Hosen, T-Shirts und all das Adventure-Equipment nicht am rechten Ort waren.  Was bleibt einem anderes übrig? Also eine weitere Nacht in Douala und hoffen und bangen, dass das Gepäck im nächsten Flieger am nächsten Abend ist. Das Gute daran: Martin konnte seine erste afrikanische Großstadt kennenlernen. Ich habe es ihm nicht ganz einfach gemacht, keine Schonzeit – sofort auf´s Bike, zu acht im Taxi, Straßenimbiss und, und, und… Er hat sich aber sehr gut geschlagen!

Die gute Organisation bei Air France habe ich ja schon erwähnt – Gepäck also am nächsten Abend in Douala angekommen und Max, Bri und Ruth haben auf uns in Yaounde gewartet. Gar kein Problem!

Naja, aber so kam es also, dass wir erst am 31gsten morgens nach Yaounde fahren konnten und von dort den Nachtzug nach Ngaoundere. Und da wären wir also: Silvester im Zug!

Teil 2 – Die Silvesternacht

Wow – Zug, 2. Klasse besser, als erwartet! Eigentlich ganz gut Platz, recht sauber und fährt. Sogar die Abfahrt pünktlich auf die Minute – 18:10 Uhr (da haben wir erst noch groß über eine solch genaue Zeitangabe gelacht – zu Unrecht!).

Also, dann, große Langeweile – Rätselraten – Geschichten vom letzten Silvester erzählen – Erdnüsse essen – Whisky trinken – Chips essen – Schokolade essen – Cola trinken. Alle Kameruner drum rum schon 10 Minuten nach Abfahrt im Tiefschlaf.

Dann endlich 24:00 Uhr‼! Max mit der Sekt-Flasche in der Hand – da knallt der Korken. Freude? Ja, bei uns schon, aber erschrockene, leicht verärgerte kamerunische Gesichter. Silvester, also 24:00 Uhr ist denen mal total egal – Neujahr wird vielleicht ein bisschen mehr dann mit der Familie gefeiert.

Teil 3 – Verkehrsmittel

O.k., vom Zug haben wir ja nun schon gehört. Was sonst noch? Bus natürlich. Und während meiner 12 tägigen Reise war tatsächlich ALLES, was sich irgendwie Bus nennt (im Grunde auch, was sich nicht so nennen dürfte) dabei. Angefangen bei großen, recht komfortablen Bus von Bamenda nach Douala oder auch Douala nach Yaounde. Dann natürlich die etwas kleineren Minibusse, aber doch noch sehr bequem. Natürlich alle mit noch ein paar eingebauten Reihen und Sitzen, so dass man nicht zu viel Beinfreiheit genießt, aber man wird ja genügsam… Dazu gute, geteerte Straßen.

Aber auch in einem kleinen bequemen, im Grunde schnellen Minibus auf geteerten Straßen kann man wahnsinnig werden: Fahrt Maroua – Ngaoundere – eigentlich eine Sache von so 5-6 Stunden. Aber man kann das ganze auch auf 10,5 Stunden ausdehnen, indem man einfach alle 5 km anhält, Leute mitnimmt oder Leute aussteigen lässt. Oder auch ein ganz einfaches Mittel so eine Fahrt in die Länge zu ziehen: Polizeikontrolle. Eine geschlagene Stunde um 1 Uhr nachts ALLES Gepäck vom Dach holen und durchsuchen. Und ich kann Euch sagen: Die Kameruner sind keine Freunde von leichtem Gepäck… Naja, lustig, dann kommt der Gendarm also mit ernster Miene in den Bus und fragt, wem das und das Gepäckstück gehört – Schweigen und betretenes Auf-den-Boden-schauen – keine Antwort. Also verlässt der Gendarm nach 5 Minuten den Bus, lässt alles Gepäck wieder aufladen und wir dürfen weiter fahren. Sinn? Keine Ahnung! Wirklich passiert oder geträumt? Martin war dabei – ich habe Zeugen!

Das tolle an der langen Fahrt war, dass wir also um 4 Uhr morgens in Ngaoundere angekommen sind, natürlich kein Zimmer mehr genommen haben, es echt schw… kalt war (ja, ich weiß, es ist Afrika, aber die Nächte sind trotzdem kaaalt) und der nächste Bus erst so um 6:30 Uhr fuhr…

Weiter. Schlimmste Fahrt: Ngaoundere – Banyo. Also nach einer sch… Nacht halb im Bus, halb erfroren auf dem Busbahnhof den tollsten Bus ever ergattert – Ende 60er Jahre, erinnerte ein bisschen an die vordere Hälfte eines typischen amerikanischen Schulbus. Nur, dass (obwohl er max. halb so groß war) natürlich mindestens genau so viele Leute reinpassen. Und dann die Straße – Staubpiste mit Schlaglöchern. 14,5 Stunden Fahrt. Also, ich habe sicher schlimmere Straßen gesehen, schon schlechter zu neunt in einem Toyota gesessen, ich habe schon mal 2 Nächte hintereinander in einem Nachtbus verbracht, aber die Kombination aus all´ dem war wirklich das Highlight meiner Transporterfahrungen in Kamerun. Nicht zu vergessen, wie wir die Nacht zuvor verbracht hatten…

Teil 4 – Die Menschen und ihre Kultur

Ja, der Norden ist gaaanz anders. Wirklich – man kann nicht mehr so recht glauben, dass man noch in Kamerun ist. Angefangen beim Aussehen – die Nordkameruner sind schlank – eigentlich alle. Die Gesichtszüge sind filigraner, die Haut heller. Sprache? Na gut, Französisch, aber das ist ja nun mal die Amtssprache in 80% des Landes. Dann ist der Norden zum Großteil muslimisch, was das Stadtbild enorm prägt – viele Moscheen, ständig betende Menschen, weniger bis kein Bier/Alkohol in den Bars. Die Menschen tragen andere Kleidung – alle Männer haben so schöne lange Gewänder an und ihre Kappen auf, die Frauen ihre traditionellen Stoffe kunstvoll umgeschlungen. Auf den Straßen wird viel Tee verkauft und Sesam und Datteln und es gibt Yoghurt, die Straßen werden jeden Morgen von Menschen in Arbeitsuniform gefegt, überall gibt es Mülleimer (auch wenn sich am Stadt-/Dorfrand trotz alle dem die Plastikbeutel regelmäßig türmen) und kaum einer steht am Straßenrand und pinkelt (ein Bild, an das wir uns in Kumbo gewöhnt haben). Also, ich kann Euch nur sagen: gaaanz anders – mehr wie in einem arabischen Land.

Teil 5 – Die Nationalparks

Da will ich gar nicht viel zu sagen. Wir waren in zwei Nationalparks, in einem gewandert in dem anderen richtig Safari mit Auto. Wir haben Nilpferde, Giraffen, Warzenschweine, Krokodile, Affen und viieeele Vögel gesehen. Nicht aufregender oder schöner als andere afrikanischen Nationalparks (ich habe ja den Vorteil schon Tansania und Südafrika erlebt haben zu dürfen). Eher ein wenig unorganisierter, laienhafter. Nichts desto trotz schöne Landschaften und auf alle Fälle empfehlenswert.

The Extreme North – wer das Jahr also mal anders beginnen möchte – ich kann´s wirklich empfehlen. Ich hatte enorm viel Spaß, habe so viel Neues kennen gelernt und war sogar ein wenig wehmütig den Norden wieder verlassen zu müssen.



Cultural Rendezvous in Nkar

13 12 2010

DSC03408Gestern waren wir zur „Krönung“ von Justine in Nkar eingeladen. Justine ist eine VSO-Freiwillige aus England, die mit den hiesigen „women groups“ arbeitet. Als Anerkennung für Ihre Arbeit wurde Ihr gestern vom Fon in Nkar der Titel „Yaa“ verliehen, also Prinzessin. Am gestrigen Tage haben mehrere Menschen dort Ihre Titel bekommen, so dass es ein ziemlich großes Fest war. Schon vorgestern Abend haben wir die Jewjews hier in Kumbo mit großem Trara los laufen gehört. Die Fahrt mit dem Bike (Motorrad) dauert ungefähr 45 Minuten. Das lustige ist, dass ja die Trockenzeit angefangen hat und die Straßen einzige Staubpisten sind – ich war in meinem Leben noch nie so orange… Aber halb so schlimm. In Nkar angekommen haben wir uns dann in unsere traditionellen Gewänder geschmissen und in den Palast des Fons begeben. Da gab´s dann lecker Fufu und Njamanjama und natürlich viel palmwine.

Dann die ganzen Jewjews, die auf dem Platz vor dem Palast ihr „Show“ aufführten – die bösen, die einen mit Stöcken hauen und vor denen man wegrennen muss und die Lustigen, die mit Eunuchen-Stimmen reden, von Kindern umringt sind und „nur“ Geld wollen – besonders von einer Gruppe „Kimbang“ (Weißen). Die Bösen sind immer umringt von halb nackten, mit Stöcken bewaffneten Einheimischen, die die Jewjews im Zaum halten und uns ein wenig vor ihnen beschützen.

Es erinnerte ein wenig an ein auf ein Dorf ausgeweitetes „Räuber und Gendarm“ – Spiel –man wusste nie genau, wann und wo der nächste böse Jewjew auftaucht, ob man wegrennen soll oder sich einfach nur ducken und verstecken…lustig!

Die eigentliche Krönungszeremonie von Justine war eher unspektakulär – der Fon mit seiner  Kopfbedeckung, die doch sehr en eine Unterhose erinnerte (trotzdem sah er irgendwie majestätisch aus…), sprach ein paar nette Worte über Justines Farm, um die sich von nun an kümmern muss und über Ihre Pflichten als „Yaa“

Alles in allem aber ein sehr schöner Samstag!



Weihnachten in Kamerun

13 12 2010
1. Advent

1. Advent

Lebkuchen-Herz

Lebkuchen-Herz

Backen

„Kommt man in Kumbo eigentlich in Weihnachtsstimmung?“ – eine Frage, die mir in letzter Zeit öfter gestellt wurde. Schwer zu sagen – so die richtige vorweihnachtliche Stimmung, wie man sie bei uns hat, kommt bei uns Europäern hier eher nicht auf. Es ist sonnig und warm, es gibt keine mit Weihnachtsbäumen geschmückte Einkaufszentren oder Straßen, naja, und dann ist man natürlich nicht mit seiner Familie zusammen. Aber andererseits ist es nachts auch ziemlich kalt hier, ab und zu hört man in einem Geschäft Weihnachtslieder und jeder redet drüber. Das angenehme ist: der ganze Weihnachtsstress fällt weg – kein hektisches nach Geschenken suchen, keine überfüllten Geschäfte.

Ein wenig im Stress bin ich, weil wir am 18. Dezember unsere „Burkitt-Lymphom“-Konferenz hier im BBH haben. Ich bin also quasi Gastgeber und muss noch ein paar Vorträge vorbereiten. Aber auch der Stress hält sich in Grenzen.

Max, Bri, Ruth und ich haben aber auf alle Fälle fleißig für unsere Adventsstimmung gearbeitet. Dank eines Päckchens aus Deutschland hatten wir Lebkuchen und Dominosteine und konnten mit Nikolausstiefel- und Rentier-Form Ausstecherle machen. Letzten Sonntag haben wir wie die Wilden gebacken – 2 riesen Lebkuchenherzen, Ausstecherle, Zimtsterne – lecker‼! Wir haben einen Adventskranz und für den 24. besorgen wir uns einen Tannenbaum – wie wir den schmücken ist eine andere Frage, aber ich werde Euch ein Bild zukommen lassen…

Am 24. werden wir 4 unseren Heiligabend alleine zelebrieren – den Kamerunern ist der 24. nicht so wichtig. Wir werden einen Hahn schlachten – den Anska, den wir schon seit ein paar Wochen durchfüttern, damit er schön groß und fett wird… Dann am 25. und 26. zieht man hier von Haus zu Haus und besucht all´ seine Freunde – überall gibt´s Essen und natürlich palmwine. Ja, und abends geht man dann tanzen oder so.

Also, so ein bisschen gesunde Weihnachtsstimmung schon, aber nicht übertrieben.



Wer hätte das gedacht…?

22 11 2010
oben

oben

Dit is´a

Dit is´a

Feuerchen

Feuerchen

Diesen Freitag musste ich in eins der anderen Krankenhäuser, um einem meiner Kollegen zu helfen. Wie Ihr ja inzwischen alle wisst, sind die Straßen ja extrem schlecht und für diese ungefähr 70 km zum anderen Krankenhaus braucht man so im Schnitt 4 Stunden und das zu durchschnittlich acht Mann im kleenen Toyota. Und die gleiche Strecke dann am Samstag wieder zurück – kein erholsames Wochenende…

Naja, nachdem wir dann unsere Arbeit am Samstag Vormittag beendet hatten wollte ich mich dann so gegen Mittag auch langsam wieder auf den beschwerlichen Rückweg mach – Erst vom Krankenhaus nach Bamenda, dann Auto finden, warten bis es voll ist, also genug Mitfahrer da sind, Naja, und dann natürlich die Fahrt –wenn irgend möglich ankommen bevor es dunkel ist…

Als ich dann gerade das Haus des Kollegen verlasse hören wir den Hubschrauber landen – das kann im Grunde nur unser Hubschrauber aus Kumbo sein! Und da die zwei Piloten (wir haben einen Hubschrauber und ein kleines Flugzeug) ja hauptsächlich für unsere Krankenhäuser arbeiten, kenne ich sie natürlich. Also, hoch zum Landeplatz und juchhu: ja, es sind Jeff und Eric und ja, sie fliegen auch jetzt wieder zurück nach Kumbo und das tollste – Klar nehmen sie mich mit‼!

Großartig – die 4 stündige staubige Autostrecke mit dem Hubschrauber ein Klacks – 20 Minuten! Und die Aussicht – Wahnsinn…

Wir haben noch kurz einen Zwischenstopp in Sabga gemacht, wo ein weitere Pilot hoch oben in den Bergen lebt und seine Flugzeuge angeschaut – er wohnt wunderbar. Naja, ich denke die Bilder sprechen für sich – da brauche ich wohl nicht viel zu sagen…

Wer hätte gedacht, dass ich meinen ersten Hubschrauber-Flug in Kamerun erlebe??? Oder, dass ich überhaupt jemals in einem solchen Ding sitzen werde…?



Mein neuer Mitbewohner…

6 09 2010

ohne Worte

ohne Worte

Fonyuy

Fonyuy



Was ist hier eigentlich so anders?

15 08 2010
Blutspende

Blutspende

ganz normal, oder?

Ganz normal, oder?

Ja, genau, die Hautfarbe! Aber das macht den Unterschied nicht aus. Oder doch?

Es stimmt zwar, ich werde überall sehr freundlich empfangen, habe schnell viele Freunde gefunden und werde meist doch einen Tick bevorzugter behandelt. Sei es im Supermarkt (ja, in Kumbo gibt es auch einen Supermarkt …), in der Kantine oder einfach auf Station. Andererseits aber werden die anderen afrikanischen Ärzte ebenso zuvorkommend behandelt. Ist es also der Beruf oder die Hautfarbe?

Ich denke es ist eine Kombination aus beidem. Respekt ist hier sehr wichtig und wird auch gelebt – Respekt vor den Eltern, vor einer älteren Person und vor (hier noch J) angesehenen Berufen, wie halt dem Arzt.

All´ den Menschen, die mich inzwischen besser kennen, die meine Freunde geworden sind, ist es glaube ich inzwischen ziemlich egal ob ich weiß bin, Arzt bin oder sonst was. Und bei diesen Menschen spüre ich einfach eine Freundlichkeit aus tiefstem Herzen, eine Gelassenheit, die ich bewundere (da ich ja eher ungeduldig bin, auch wenn sich das schon seeehhhr geändert hat – Ihr werdet Euch wundern…), die mich allerdings auch manchmal noch immer fast zur Weißglut bringt, und auch Interesse, Neugier und Offenheit für Neues.

Ich denke der größte und offensichtlichste Unterschied ist das TEMPO. Nichts eilt so richtig. Angefangen beim einfachen Laufen – ich habe echt Schwierigkeiten (und das ist kein Witz) so langsam zu laufen wie der Durchschnitts-Kameruner. Und dieses langsame, oder vielleicht positiv ausgedrückte, gemütliche Tempo zieht sich durch alle Lebenslagen und –aufgaben. Und damit ganz eng verknüpft ist natürlich die Gelassenheit – „wenn nicht heute, dann halt morgen“. Diese Einstellung macht das Leben natürlich sehr viel einfacher und ist auch gesünder – kein Stress, keine Hektik! 4 Stunden warten, bevor ein Arzt kommt oder Blut abgenommen wird oder sonst was – hier meist kein Thema – keine Beschwerden! Wenn die Krankenhausrechnung nicht bezahlt werden kann – kein Stress, dann „wohnt“ man halt auch nach Entlassung noch Tage bis Monate auf dem Krankenhausgelände. Viel unkomplizierter. Vier Babys, die Pohototherapie brauchen, aber nur eine Lampe? Nicht so schlimm – da wird dann halt eine gebaut. Ja, und da fängt es dann an unangenehm zu werden. Denn bauen dauert und ohne Stress kann bauen auch echt lange dauern…ein Teufelskreis! Aber, die meisten wissen es: Frühgeborenes 26 Schwangerschaftswochen, 1100g, Bilirubin am 3. Tag 15 mg/dl – SCHNELL! DRINGEND! Phototherapie JETZT‼!

Naja, was ich sagen möchte ist glaube ich klar – Ruhe und Gelassenheit ist super, wichtig und ich könnte mehr vertragen, aber in der Medizin ist Dringlichkeit und Schnelligkeit oft nicht verkehrt…

Dann sind es hunderttausend kleine Dinge und Gesten, die ich täglich erlebe, die es so anders, so schön und manchmal auch so traurig machen. All´ diese Taten sind oft so winzig, dass ich sie vielleicht inzwischen gar nicht mehr bewusst registriere oder am Abend schon wieder vergessen habe. Es ist so schwierig die kleinen Dinge zu beschreiben, da man sie erleben muss.

Die Hühner und Ziegen auf dem Krankenhausgelände, die Patienten wie Haustiere von zuhaue mitgebracht haben. Eine muslimische Familie in einem Dorf ca. 2 Stunden von Kumbo entfernt (sie sind einige der Wenigen, die Joghurt und Käse produzieren) bringen mir auf der Durchreise durch Kumbo 1,5 L Yoghurt mit – als Geschenk, ohne etwas dafür zu erwarten. Eine Patientin hat mir ca. 5 kg Erdnüsse von ihrer Farm mitgebracht (also so richtig ERDnüsse – mit viel Erde dran…). Die typische Mami auf der Straße mit einem ganzen Wald von Baumstämmen oder Tonnen von Kartoffeln oder anderen Dingen auf dem Kopf und dem Baby auf dem Rücken, dahinter die kleine Tochter, vielleicht 4-5 Jahre alt mit einem etwas kleineren Sack auf dem Kopf, aber eventuell auch Baby auf dem Rücken. Der typische „public transport“ Toyota mit 4 Erwachsenen, 3 Kindern HINTEN und 4 Erwachsenen VORNE, einem riesen Korb voll quiekender Küken, 10 Säcke Zement und allerlei anderer Dinge im Kofferraum (auch dass ist kein Witz – ich war einer der 3 Kinder, ach ne, 4 Erwachsenen hinten drin). Ja, und so könnte man unendlich fortfahren.

Ihr müsst es erleben – und das ist die Einladung an jeden, der mich doch gerne besuchen möchte…

Alles in allem wirken die Menschen hier auf alle Fälle, trotz der doch meist deutlich schwierigeren Lebensumstände,

Douala - doch nicht so anders?

Douala - doch nicht so anders?

irgendwie viel glücklicher. Liegt wohl daran, dass weniger gejammert und mehr hingenommen wird und man versucht, mit dem, was man hat, zufrieden zu sein. Ob das gut oder schlecht ist, wage ich nicht zu beurteilen, da natürlich hinnehmen und sich zufrieden geben auch Fortschritt verhindert. Aber glücklich sein ist doch essentiell, oder?



Urlaub!!!

15 07 2010
Luisa und Jule

Luisa und Jule

Kribi

Kribi

Das war toll und dringend nötig – eine ganze Woche Urlaub!!!

Letzten Freitag sind Jule, Luisa und ich losgefahren. Zunächst nach Mbingo in das andere CBC Krankenhaus. Diesmal, Gott sei Dank, mit komfortablen CBC-Jeeps. Seit die Regenzeit eingesetzt hat, ist die Strecke Kumbo Bamenda/Mbingo echt nicht so angenehm mit öffentlichen Verkehrsmitteln (wobei sich hier in Kamerun „public transport“  und „angenehm“  so oder so schon mal grundsätzlich widersprechen!).  Dort habe ich die Dokumentation der dortigen Burkitt Lymphom-Fälle gemacht. Und da Luisa leider nun schon wieder in Deutschland ist, konnte sie sich von den Mitarbeitern dort verabschieden. Dann ging es nach einer Nacht schon weiter nach Douala.  Auch in Douala haben wir nur eine Nacht verbracht, da die Strecke sonst einfach zu weit ist. Außerdem ist unsere Unterkunft in Douala recht komfortabel – großes „Studio“ mit Fernseher (die WM war ja da noch in vollem Gange…) – und das Essen im französischsprachigen Teil + Großstadt ist nicht zu unterschätzen…Baguette, Bäckereien …

Ja, dann also am nächsten Morgen nach Croissant und Kaffee weiter nach Kribi! Suuuupppper!!!! Strand, Sonne, Meer, Baden, Krabben, Shrimps, ausschlafen – Urlaub halt!!! Und endlich wieder richtig warm – hier in Kumbo ist es mit Einsetzen der Regenzeit doch recht frisch geworden …

Naja, also drei Tage gutes Essen, Strandspaziergänge, Baden und – o.k., eine negative Seite muss es ja geben – MUECKEN! Aber zum Glück hatten ja die meisten von uns Moskito-Netze dabei (Ashia Jule ;)), also auch nicht so wild.

Dann am Mittwochnachmittag nach Mutengene – 3. CBC-Krankenhaus –> Burkitt-Fälle und „Tschüss“ sagen! Und dann der traurigste Teil der Urlaubsreise am Donnerstag: nach Douala und Luisa zum Flughafen bringen. Ja, sehr schade, dass sie schon früher gehen musste, aber wenn die Arbeit ruft … verständlich! War aber wirklich eine super Zeit hier mit Dir und vielleicht klappt es ja doch noch mal mit einem Besuch hier in Kamerun …

Jule und ich sind dann noch 2 Nächte in Douala geblieben – das Großstadtleben auskosten. Es gibt hier im Grunde echt alles – zwar in Bezug auf Lebensmittel dementsprechend teuer, aber immerhin vorhanden… ja, die Supermärkte sind schon teils echt wie gewohnt (also aktuell nicht mehr gewohnt – ich stand wie ein kleines Kind mit offenem Mund vor einigen Regalen …).

Am Samstag früh sind wir dann zurück nach Kumbo gefahren – in einem Stück mit langer Pause in Bamenda. Und zum kleinen Finale waren wir auch schon wieder in gewohnter Umgebung im BB 91 …

Also, war echt ein wunderschöner, erholsamer Urlaub. Und so schade wie es auch immer ist, dann wieder zurückzukommen, so schön ist es doch auch von allen Seiten nach nur einer Woche Abwesenheit „You’ve been missing!“ zu hören!



Die traurige Seite des Alltags

26 06 2010
Cinthia

Ruth

Nun, da ich seit 3 Monaten hier bin, sollte und möchte ich auch mal über die anderen, traurigen Seiten des Klinikalltags berichten. Wie mir und wohl auch jedem anderen klar war/ist, sehe und erlebe ich hier neben all´ den schönen Dingen auch sehr viele traurige Sachen. Vor allem betrifft das natürlich die medizinische Versorgung. Ich habe nicht wirklich viel Erfahrung mit der Intensivversorgung von Kindern, aber das scheint hier manchmal sehr nötig. Eigentlich weiß ich nicht genau, ob mehr Erfahrung wirklich hilfreich wäre oder mich nur frustrieren würde, weil man gar nicht die Ausrüstung und Medikamente hat, um diese Erfahrung und das Wissen anzuwenden. Ich habe hier inzwischen wirklich schon einige Kinder und Babys reanimiert – mit Beutel, Herzdruckmassage, Adrenalin. Aber da hört es dann leider auch schon auf – mehr gibt es nämlich nicht. Ach ja, Atropin habe ich gestern noch entdeckt. Dazu kommt, dass nicht alle der Schwestern hier gut über die Reanimation Bescheid wissen. So hilft mir sicher eine immer mit der Herzdruckmassage, aber beim Bebeuteln wird es schon schwierig. Masken passen oft nicht richtig, Beutel sind kaputt oder viel zu groß für das Alter der Kinder. Sauerstoff ist zwar da, aber die Prozent sind unklar – Liter pro Minute kann man noch einstellen. Dann stehe ich also da – bebeutelnd, irgendjemand macht Herzdruckmassage, das Kind atmet unregelmäßig selbständig, die Sättigung ist o.k.. Wenn ich aber aufhöre zu bebeuteln, dann hört das Kind auch auf zu atmen. Intubieren und maschinelle Beatmung? Not available – gibt es nicht! Also, wie lange mache ich weiter. Nach 1 Stunde wird es schon sehr anstrengend und es ist niemand da, der mich ablösen kann… Es ist wirklich schwierig. Es gibt Wochen, in denen sterben hier 7 Kinder. Oft bekomme ich es nicht mit, weil es nachts passiert. Ich muss „nur“ jeden Morgen die Totenscheine ausfuellen!

Gestern waren es 2, leider erfolglose, Reanimationen – das ist echt viel – vielleicht fast zu viel neben all´ den anderen Patienten, die versorgt werden wollen und müssen!

Ein 21 Tage altes Baby war wirklich stabil nach einer Reanimation. 2 Tage später ist es aber doch in den frühen Morgenstunden verstorben und ich weiss noch nichtmal so genau warum. Man fragt sich in solchen Momenten dann doch, wie viel Sinn das alles macht – hilft man wirklich?

Aber zum Glück habe ich hier sehr liebe Kollegen, Schwestern und Freunde, die mich unterstützen und helfen und einen immer wieder ermutigen. Das ist das Schöne – man hat Unterstützung und die Arbeit, die man versucht zu leisten wird doch irgendwie anerkannt.

Und was man ja nie vergessen sollte, dass es ja doch sehr viele Kinder sind, die hier lachend wieder raus spazieren und das ist es doch auf alle Fälle wert – so ein süßes Kinderlächeln!



Endlich geht´s los…

11 06 2010

… die Kinderstation ist wie leer gefegt – pünktlich zum WM-Start. Von sonst über 30 Kindern sind jetzt gerade nur so 10-12 da. Wenn ich nicht ein Glückskind bin! Ich mache jetzt gleich Schluß und werde mir das Eröffnungsspiel anschauen. Ich wünsche allen viel Spaß bei der WM und nicht vergessen – ITALIEN wird wieder gewinnen :)!!!